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(1994) 2/1994. Juni 1994
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12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

lität der Gegenwart tragen. Und sie thematisieren die stãndige Prã- senz der Vergangenheit. Für sie ge- sellt sich zu den Versehrungen, die sie davongetragen haben, die nach- kriegsdeutsche Ignoranz, die ihnen eine Auseinandersetzung mit die- sem Teil der Vergangenheit er- schwert. Wie wichtig sie für die Opfer ist, dokumentiert ein Brief von Margot Vetrocova, den sie 1988 nach einem Aufenthalt in Bergen-Belsen an ihre deutsche Gastgeberin geschrieben hat:Un- erklärlich ist, daß die Eindrücke des 17. April 1988 aus meinem Unterbewußtsein' das Quãlendste verwischt haben. Nur die verstan- desmãßig lenkbaren Erinnerungen sind geblieben. Aber das scheint niemand zu verstehen. Uberhaupt habe ich das Bedürfnis, meine Fin- drũcke und Gedanken mit anderen zu diskutieren und bin da ziemlich allein gelassen.

Für die Opfer bieten Gedenk- stätten wie die in Ravensbrück die Möglichkeit, das erlittene Leid nachträglich an einem konkreten Ort festzumachen und es darüber als Teil der eigenen Lebensge- schichte, über die sie sich mitteilen können, zu akzeptieren. Die nega- tive Macht der Frinnerung läßt sich so zumindest entschärfen. Auch für die Täterlnnen und ihre Nachkommen könnten die Stätten

Anstoß sein, diesen Bestandteil der deutschen Geschichte alsne- gatives Pigentum anzunehmen. Ein Blick in das Besucherlnnen- buch der Ausstellung zeigt, wie weit die Deutschen offenbar davon noch entfernt sind. Das hilflos ge- betsmühlenhaft wiederholtenie wieder? verweist auf die Flachheit deutschen Gedenkens.

Statt sich den Opfern anzunä- hern und genau hinzuschauen, hat man sich hierzulande jahrzehnte- lang darauf beschränkt, abstrakte Fakten zu sammeln und die Schul- klassen mit Leichenbergen zu trak- tieren. Dadurch wurde die Tradi- tion der Nihilierung fortgesetzt, wurden die Opfer in die endgültige Anonymitãt verbannt. Einen diffe- renzierenden Blick hat man höch- stens dort gewagt, wo es galt, die Psychologie der Täterlnnen zu durchleuchten. Das gilt auch für die feministische Nationalsozialis- musforschung. Abgesehen von ei- nigen Arbeiten über Widerstands- kämpferinnen Frauen, die sich nicht zuletzt zur Identifikation an- boten, wurde den Verfolgten kaum Beachtung geschenkt. Statt dessen konzentrierten sich die Un- tersuchungen der 70er und frühen 80er Jahre auf die Schicksale der Mitlãuferinnen und Mittãterinnen, die dann schließlich auch als Täte- rinnen benannt wurden. Erst in