Heft 
(1994) 2/1994. Juni 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

Ein Widerstandskämpfer und Briefe ganz gewöhnlicher Nazis

Als Willy dem Führer die Post stahl

Der US-Amerikaner William C. Emker erinnert sich:Im Jahre 1912 in Frankfurt geboren, da wurde an mei- ner Wiege nicht gesungen, daß ich mal unter einem anderen Namen in den Vereinigten Staaten leben würde, und daß ein schwarzer Enkel, ein Afro-Amerikaner, wie man heutzuta- ge die Schwarzen nennt, diesen Na- men für zukünftige Geschlechter weitergeben wird. Dieser Satz steht auf der ersten Seite seiner Lebensge- S Zwischen den Welten- Autobiogra- phie des Antifaschisten Willy Fuk- ker 1993 von Helmut Ushöfer her- ausgegeben wurde.

Im Mai waren William und Irene Emker sowie Helmut Ulshöfer bei ein- em Monatstreffen der Lagergemein- schaft/Freundeskreis zu Gast. Willy Emker hatte nach Kriegsende in Ber- lin in den Trümmern der Reichskanz-

Willy Emker(stehend) zu Gast hei der Lagergemeinschaft in Franhfurt.

lei meherere Tausend Briefe gefunden und vor der Verwitterung und Ver- rottung in Sicherheit gebracht.(Siehe Mitteilungsblatt vom März 1994,§. 2) Seit einigen Jahren wertet der gebür- tige Frankfurter zusammen mit dem Soziologen Helmut Ulshöfer die Bri fe aus. Mit dem wiederum von Hel- mut Ulshöfer herausgegeben Band Liebesbriefe an Adolf Hitler-Briefe in den Tod' wurde mittlerweile ein erster Teil publiziert. Briefe von Hinz und Kunz

Die von Emker aufbewahrten Pa- piere umfassenBriefe von verliebten Frauen, die sich nach dem Führer verzehren, von Denunzianten, die ih- re Nachbarn anschwärzen, von Schul- jungen, die an der Front fürs Vater- land sterben wollen, von Ministerial- dirigenten, die Ratschläge zur Juden- vernichtung geben, von besorgten

Mütterchen, die dem Führer warme

Am Tisch Emil Carlebach und Jrene Emker.