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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Nachträgliche Kriegsberichterstattung in der Medienwelt der BRD
»Pamals vor Moskau? als ꝰtragisch? pflichtbewußte Soldaten
Der Tod des deutschen„Vier- Sterne-Generals“ Johannes Steinhoff gab den Nachrufschreibern Gelegen- heit sich nachträglich als Kriegsbe- richterstatter zu gerieren. Auch die „Zeit' erinnerte stolz an die*167 Luft- siege'“, die Steinhoff für die Deutsche Wehrmacht, der Welteroberungsar- mee der Nazis, errungen hatte und rühmt den'hochdekorierten Jagdflie- ger'(Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern).
Gegen Göring habe Steinhoff vaufgemuckt, aber nicht aufbegehrt?, schreibt ihm der Zeit-Autor ins
Stammbuch und zitiert dazu seinen Chef, den Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt,'der dem Geschwader Stein- hoffs damals vor Moskau Flakschutz gab' und nach dem Krieg von der Tragödie des Pflichtbewußtseins' wohlfeil schwadronierte.
»Keiner der Nachgeborenen, der nicht dabeigewesen ist, sollte darüber rechten“, zieht sich der untergebenste Schreiber aus der Verantwortung. Ob die Nachgeborenen, die'nicht dabei- gewesen sind', hierzu unter Umstän- den aufmucken oder vielleicht sogar aufbegehren dürfen, bleibt ihnen selbst überlassen.
Daß die als»Siege“ und'Erfolge' definierten Luftschlachten Steinhoffs und der unterstützende Flakschutz Schmitds dazu beitrugen, daß die Verfolgungs- und Vernichtungsma- schinerie in den überfallenen Ländern und besonders in den Konzentrations- lagern weitergehen konnte, zu dieser Erkenntnis ist vor Jahren auch schon ein CDU-Politiker gekommen.
Heute sollen die Nachgeborenen den Makel im großen Krieg'nicht da- beigewesen“ zu sein, wohl dadurch wettmachen, daß sie vielleicht tra- gisch, aber doch bitte pflichtbewußt* den Mund halten.
Hans Hirschmann
Erflogen und erjagt
Schon gestern bei der Tagesschau bin ich zusammengezuckt, aber nun druckt auch noch die FR den schamlosen Unsinn der Agenturmeldung ab(FR vom 23. 2. 1994, ZUR PERSON, Johannes Steinhoff sei„iner der erfolgreichsten Jagdflieger“ der deutschen Wehrmacht im 2weiten Weltkrieg gewesen.
Gibt es denn keine„Kraus'sche Sperre“ in den Redakteurscomputern oder gehir- nen, die die Zusammenstellung bestimm- ter Worte verhindert? Jeder„Erfolg“, den Herr Steinhoff und seine„Kameraden“ er- flogen und erjagt haben, war doch ein(mit dem Leben bezahlter)„Mißerfolg“ von Menschen, die von Hitlers Soldaten ange, griffen worden waren.*
Wenn denn schon über Tote nichts als Gutes gesagt werden darf, wie wäre es mit folgender Formulierung:„Johannes Stein- hoff hat nach 1945 unseres Wissens nie- manden mehr getötet, sondern seine rei- chen Erfahrungen nur noch an junge Menschen weitergegeben.“
Insofern war er ja doch„einer der er- folgreichsten...
Dr. Gerhard Härle,
Universitãt— Gesamthochschule Siegen
Frankfurter Nundschau 3 Maræ 1904


