Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9
NIEWIEDFER FASCHISMUS! NIEWIEDER KRIFGi! NIEWIEDFER KRIEG! NIEWIEDER AUSCHWITE NIEWIEDER AUSCHWITAZ DESHAIB KRIEGꝰ
Krieg und Erinnerung und wie sie(nicht) Zusammenhängen
Warum die LGA zu diesem Thema eine Veranstaltungsreihe plant
Die Forderung, dass Auschwitz nicht mehr sei, ist nicht nur-seit Theo- dor W. Adornos einschlägigem Dik- tum- die erste Forderung an alle Er- ziehung, sondern auch an-zumindest deutsche Politik. Nicht erst die da- malige Bundeskanzlerin Merkel hat diese Forderung- in einer Rede in der Knesset-zum Bestandteil der„deut- Schen Staatsräson“ erhoben. Nicht erst seit dem Krieg in der und um die Ukraine wird„Auschwitz“ auch zum Argument für eine Zzunehmend mit mi- litärischen Mitteln operierende Außenpolitik. Bereits der damalige Außenminister Joschka Hischer führte es als Argument im Zusammenhang mit der deutschen Parteinahme im Bosnien-Krieg, vor allem im Zusam- menhang mit dem Massaker von Srebrenica, ein. In der aktuellen Aus- einandersetzung scheint das Argu- ment, dass„Auschwitz“ die Bundesre- publik geradezu verpflichte, aktiv mit militärischen Mitteln(Waffenlieferun- gen) auf der Seite der Ukraine in den Krieg ein?zugreifen, zum Gemeinplatz geworden zu sein.
Fine bemerkenswerte Wandlung, denn bis dahin galt, dass die deutsche
Geschichte, will heißen: der deutsche Vernichtungskrieg von 1939— 45 und die Shoah, die Bundesrepublik genau zu einer nicht-militärischen Außenpo- litik verpflichte. Waffen in Krisen-, Spannungs- oder gar Kriegsgebiete zu liefern war über lange Zeit ein-frei- lich häufig durchlöchertes- Dogma. Die hauptsächlich von der Linken be- nutzte Parole„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“, die freilich prak- tisch ohne Bezug auf Auschwitz aus- kam, wurde über„Nie wieder Krieg! Nie wieder Auschwitz!“ zu„Nie wie- der Auschwitz! Deshalb Krieg!“(bzw. Waffenlieferungen) zu einem wirk— mächtigen politischen Argument.
Im Gefolge dieser Wandlung scheint auch der Sprachgebrauch die- sem neuen Paradigma angepasst zu sein. Von„Vernichtungskrieg“ gegen die Ukraine, vom„Genozid“, von „Verbrechen gegen die Menschlich— keit“ ist die Rede, allesamt Begriffe, die ihre Prägung der politischen, hi- storischen und juristischen Auseinan- derset?ung mit den NS-Verbrechen verdanken. Ihre Anwendung auf den Krieg in der WRraine ist unterschied- lich pointiert und reicht von unter-


