Heft 
(2022) 1/2022. Dezember 2022
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9

NIEWIEDFER FASCHISMUS! NIEWIEDER KRIFGi! NIEWIEDFER KRIEG! NIEWIEDER AUSCHWITE NIEWIEDER AUSCHWITAZ DESHAIB KRIEGꝰ

Krieg und Erinnerung und wie sie(nicht) Zusammenhängen

Warum die LGA zu diesem Thema eine Veranstaltungsreihe plant

Die Forderung, dass Auschwitz nicht mehr sei, ist nicht nur-seit Theo- dor W. Adornos einschlägigem Dik- tum- die erste Forderung an alle Er- ziehung, sondern auch an-zumindest deutsche Politik. Nicht erst die da- malige Bundeskanzlerin Merkel hat diese Forderung- in einer Rede in der Knesset-zum Bestandteil derdeut- Schen Staatsräson erhoben. Nicht erst seit dem Krieg in der und um die Ukraine wirdAuschwitz auch zum Argument für eine Zzunehmend mit mi- litärischen Mitteln operierende Außenpolitik. Bereits der damalige Außenminister Joschka Hischer führte es als Argument im Zusammenhang mit der deutschen Parteinahme im Bosnien-Krieg, vor allem im Zusam- menhang mit dem Massaker von Srebrenica, ein. In der aktuellen Aus- einandersetzung scheint das Argu- ment, dassAuschwitz die Bundesre- publik geradezu verpflichte, aktiv mit militärischen Mitteln(Waffenlieferun- gen) auf der Seite der Ukraine in den Krieg ein?zugreifen, zum Gemeinplatz geworden zu sein.

Fine bemerkenswerte Wandlung, denn bis dahin galt, dass die deutsche

Geschichte, will heißen: der deutsche Vernichtungskrieg von 1939 45 und die Shoah, die Bundesrepublik genau zu einer nicht-militärischen Außenpo- litik verpflichte. Waffen in Krisen-, Spannungs- oder gar Kriegsgebiete zu liefern war über lange Zeit ein-frei- lich häufig durchlöchertes- Dogma. Die hauptsächlich von der Linken be- nutzte ParoleNie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!, die freilich prak- tisch ohne Bezug auf Auschwitz aus- kam, wurde überNie wieder Krieg! Nie wieder Auschwitz! zuNie wie- der Auschwitz! Deshalb Krieg!(bzw. Waffenlieferungen) zu einem wirk mächtigen politischen Argument.

Im Gefolge dieser Wandlung scheint auch der Sprachgebrauch die- sem neuen Paradigma angepasst zu sein. VonVernichtungskrieg gegen die Ukraine, vomGenozid, von Verbrechen gegen die Menschlich keit ist die Rede, allesamt Begriffe, die ihre Prägung der politischen, hi- storischen und juristischen Auseinan- derset?ung mit den NS-Verbrechen verdanken. Ihre Anwendung auf den Krieg in der WRraine ist unterschied- lich pointiert und reicht von unter-