Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25
Trãnen Von Halina Birenbaum(1967)
Man nennt sie bitter, beißend, erstickend
Sie brennen die Augen aus, rit?en Falten ein.
Man hat Angst vor ihnen-schämt sich für sie
Man hält sie für ein Symbol der Schwäche, weiblich
Fin Ausdruck von Unglück, Trauer, Krankheit..
Man flieht vor ihrem Angesicht Man versteckt sich mit ihnen
Das schlimmste aber ist, wenn ich sie nicht habe wenn in mir die Quelle versiegt. Denn das heißt, ich fühle nicht mehr Mich bewegt nichts mehr ich kann mich nicht sorgen und nicht freuen ich kämpfe um nichts, ich gewinne nichts ich erstrebe nichts und nichts Das bedeutet, dass mich nichts angeht und ich niemanden angehe Wie ein Stein ein lebendiger Toter.
Tränen sind unersetzlich für mich Ich muss ihre beißende Flamme unter dem Augenlid spüren
Ich muss ihre nasse, warme Spur auf den Wangen fühlen
Den Würgegriff, das Schütteln im Kör- per und rasendes Herzklopfen,
das ihr Rinnen hervorruft.
Ich muss den Trost ihrer Herzlichkeit empfinden und den brennenden Schmerz ihrer Bitterkeit
Aus Zorn oder Protest
Ich muss sie in den Augen eines ande- ren Menschen sehen
Wie eine Spiegelung
Fcho aus der Berührung, welches in dem anderen mir zuliebe geboren wird.
Trãnen sind unersetzlich für mich
Fin Schatz, eine Reinigung vom Staub Aus den Wirren des Alltags, der Müdigkeit, der Erniedrigung.
Das ist die Auferstehung, die Geburt. Trãnen sind Offnung
Wahrheit, Leiden und Glück
Trãnen sind die Seele
manchmal verwundet, Schmerzhaft, verbittert
manchmal fröhlich strahlend
aber nie versteinert.
Trãnen sind unersetzlich für mich Damit ich vollends spüre
Ich lebe, ich besitze ein Herz
Und ich bin wirklich ein Mensch.
Uhersetzung aus dem Polnischen- Nea Weissberg-Boh


