Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23
persõnlichen Arbeitsschwerpunkt sah er„in der Vermittlung eines Verant- wortungsgefühls für unsere NS-Ver- gangenheit, die immer mehr in histori- sche Distanz rückt. Dieses Bemühen gilt gegenüber Schülern und Jugendli- chen sowie auch Erwachsenen, mit de- nen ich im privaten und beruflichen Umfeld zu tun habe.“
Gerhard hatte privat wie auch be- ruflich einige Krisen zu durchstehen; seinem grundsätzlich aufgeschlosse- nen und freundlichen Wesen tat das keinen Abbruch. Begeisternd konnte er über sein Faible für den Bergbau und sein Engagement im Besucher- bergwerk der Grube Fortuna er— zählen. Gerhard war ein geselliger Mensch. Man konnte mit ihm bei— Spielsweise bei Klausurtagungen bis in die Nacht hinein über ernste wie auch
belanglose Themen diskutieren-„da- bei hat uns so manches Glas Wein ge- mundet“, erinnert sich Alexander Wolf. Und Neithard Dahlen berichtet, wie sie— bei seinem letzten Besuch bei ihm— zusammen Widerstandslieder gesungen haben.
Andererseits bewegten und prãgten Gerhard die Schicksale der KZUber- lebenden und anderer NS-Verfolgter schr. Um so positiver nahm er deren Vertrauen zur Kenntnis, uns davon zu erzãhlen und sich mit uns für eine bes- sere Zukunft Zu engagieren. So erinner- te er sich gerne, wie er bei einem Treffen mit Holocaust- Vberlebenden in Frank- furt in der Kuhwaldsiedlung vor der Kirche auf der Straße getanzt hatte.
Gerhard war ein aufrichtiger Mensch, ein guter Freund.
Hans Hirschmann
Begegnung mit Halina Birenbaum Rückblick: Gerhard Herrs Bericht im Mitteilungsblatt von 2007
2007 hat Gerhard Herr noch einmal als Teilnehmer einer unserer Studienfahrten die Gedenkstätte Auschwit? besucht. Er hat darüber im Mitteilungsblatt berich- tet. Es charakterisiert ihn sehr und ist zu seinem Andenken hier erneut zu lesen.
Als feststand, dass bei der Studien- reise eine Begegnung mit der Holo- caust-Uberlebenden Halina Biren- baum stattfinden würde, holte ich zur Vorbereitung ihre Biografie Die Hof. nlng vtirbt Zuletzt und einen Band mit Gedichten von ihr aus dem Regal her- vOr. Bereits nach den ersten Sãtzen er- innerte ich mich, welch tiefes Mitge- fühl ich empfand, als ich ihre Werke zum ersten Mal las. Bewundernswert
und eindringlich bringt sie ihre Fauer zum Ausdruck, die von einer großen Güte und einem starken Glauben an die Menschen geprägt ist.
Halina Birenbaum wurde 1929 in Warschau geboren. Im Getto wurde der Vater am„Umschlagplat?z“ bei der Deportation von der Familie gerissen. In Majdanek wurde ihre Mutter er- mordet. Sie selbst überlebte Majda- nek, Auschwitz, Ravensbrück und


