Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 33
und Zu schreiben, dass sie gesund sind und es ihnen gut geht. Sie schrieben und gaben als ihre Adresse das Arbeitslager Birkenau, Post Neu Berun an.“(Ru- dorff, Auschwit? 19421945, S. 279).
Unterschiedliche Formen von Briefaktionen
Bei„Briefaktionen“ kann zwischen an- lassbe?ogenen und standardisierten Ak- tionen unterschieden werden. In beiden Fãllen wurden die einfachen und häufig ohne Patierung beschriebenen Postkar- tenvordrucke auch gesammelt ohne Briefmarke und ohne Poststempel an die zuständigen Verteilungszentren im entsprechenden Empfängerland(Z. B. Slowakei, Ungarn, Holland) oder nach Berlin verschickt. Teilweise wurden Poststempel vor der Ankunft der Karten beim Empfänger durch Entfernen der Briefmarke und Uberstempelung mit dem Hinweistext„Die Marken wurden amtlich abgenommen“ unkenntlich ge- macht. Die Ausnahme war eine bevor- Stehende Liquidierungsaktion wie im Fall des„Theresienstädter Familienla- gers' am 8. März 1944, als Hãäftlinge drei Tage Zuvor die Karten Zur Täuschung ei- nige Wochen in die Zukunft datieren mussten. Um möglichst authentisch zu wirken, wurden die Postkarten im vor- genannten Beispiel mit Briefmarken be- klebt und zentral in„Berlin- Charlotten- burg 2“ abgestempelt, allerdings erst mehr als 9 Wochen nach der falschen Datierung. 10 Wochen nach dem falschen Absendedatum erreichten die Postkarten ihre Empfänger. Die Absen- der waren bereits drei Monaten zuvor ermordet worden. Die Verzõgerungs- taktik wurde in unterschiedlicher Länge bei allen Briefaktionen angewandt.
Im Vergleich zu Hermans Mit-De- portierten des 49. Transports aus Drancy wie David Olère oder Herman Stras- fogel, die weitaus mehr Post aus Bir- kenau verschickten, ist im Fall Chaim Herman nur eine ein?zige Postkarte do- kumentiert, was darauf hindeuten könn- te, dass er einige Zeit nach ihrer Versen- dung nicht mehr am Leben war und kein weiteres Lebenszeichen mehr ver- Schicken konnte. Eingegangene Post der Mithäftlinge aus seinem Transport wur- de im UGIF noch am 18. 10.43, 29.11.43 und am 27. 3. 44 registriert.
Das Quarantäne-Evidenzbuch EFin neuer Dokumentenfund bestätigt die Vermutung, dass Chaim Herman nach seiner Ankunft in Auschwit?-Bir- kenau nicht dem Sonderkommando zu— geteilt worden war, und schließt eine Lücke zwischen der Ankunft im März und seinem Rõntgenbefund im Juli 1943. Im bereits eingangs erwähnten„Zu- und Abgänge-Buch K. L. Auschwit?“ von Block 8 für den Zeitraum 19.2.1943— 28. 1.1944, das ursprünglich für die Buch- führung über eingegangene Aufträge konzipiert war und zweckentfremdet wurde, ist der Name„Chaim Hermann“ [Sic!] mit der korrekten Häftlingsnum- mer dokumentiert. Aus Seite 36 des Ge- schäftsbuchs geht hervor, dass Chaim Herman fast Zzwei Wochen nach seiner Ankunft in Auschwitz-Birkenau am 4.3. 1943, vermutlich noch während sei- ner OQuarantänezeit in Birkenau, am 16.3. 1943 in das Stammlager Auschwit? überstellt worden war. Dort gelangte er in Block 8, der zu dieser Zeit auch Durchgangs und Quarantäneblock war. Obwohl die reguläre vierwöchige Qua- rantãnedauer nach Ankunft bereits am


