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(2019) 1/2019. September 2019
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2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

hatten nicht genügend Kapazität, die vielen Leichen zu verbrennen. Die Leichen, die in die Krematorien nicht hinein gebracht werden konnten, wur- den bei offenem Feuer verbrannt. Es stank unerträglich, das brennende Menschenfleisch stinkt so schrecklich. An all das hatte ich mich mittlerweile gewöhnt. Ichlebte' schon seit dem 1. Juli 1944 in Auschwitz-Birkenau im Lagerabschnitt B II.

Obgleich zwischen der Horthy- Regierung und der Lagerleitung in Birkenau eine Vereinbarung über die täãgliche Anzahl von Menschen, die aus Ungarn geschickt werden durfte, in Kraft war, wurden diese Zahlen von der ungarischen Seite immer über- schritten. Von drei Ankommenden wurden zwei Personen umgehend in das Gas geschickt, und über die Ermordeten wurden keine Aufzeich- nungen geführt, so weiß man auch nicht, wie viele Menschen ermordet wurden. Nur die Listen, die die Deportation der Menschen aus Un garn beZeugen, sind uns geblieben.

Am Nachmittag des 2. August ereignete sich etwas Ungewöhnliches. Unser Mittagessen wurde aus dem Nachbarlager gebracht. Vier Personen trugen den Kessel, je Zzwei an beiden Seiten, und brachten ihn in unseren Lagerabschnitt. Eine der Kesselträge- rinnen war ein junges Mädchen, das entdeckte, dass sich ihre Mutter in unserem Lager befand. Nachdem sie den Kessel gebracht hatte, wollte sie daraufhin nicht wieder zurück, son- dern bei ihrer Mutter bleiben. In bei- den Lagern stimmte daraufhin der

Appell nicht. Man hat Mutter und Tochter entdeckt und beide so lange ausgepeitscht, bis sie sich nicht mehr geregt haben. Und wir, die zuschauen mussten, mussten auf den spitzen Stei- nen vom Appellplat? mit hochge- streckten Armen knien.

Der Abendappell ist dann ohne weiteren Skandal verlaufen. Wir haben uns zum Schlafen vorbereitet. Auf Grund der File, mit der die ungari- schen Behörden uns ungarische Juden loswerden wollten, ist alles Sehr schnell gegangen. Unsere Baracken waren nicht fertig, als wir in Auschwit? anka- men. In den Baracken gab es über haupt keine Binrichtung. Wir schliefen in Reihen auf dem kahlen Boden ohne Bettzeug. Wollte sich jemand umdre- hen, dann musste sich die ganze Reihe drehen. Ein Mädchen aus Kaposvãr namens Erzsi Brodt fand in dieser Nacht keinen Plat? mehr zum Schla- fen. Sie stand am Fenster der Baracke und Schaute hinaus. Das, was Erzsi uns in dieser Nacht erzählte, war kaum zu ertragen. Wir, die wir auf dem Boden lagen, konnten nichts sehen, wir konn- ten nur hören, was draußen geschah.

Es war schon fast dunkler Abend. Auf einmal wurde es hell wie am Tag und gleichzeitig ertönte ein schreck- licher Lärm. SS-Männer sind gekom- men und haben die Menschen mit Flammenwerfern aus den Baracken im Lager B. II.e getrieben. Es waren sehr viele Kinder dabei gewesen. Das kleinste Geschöpf Gottes weiß, wenn es um sein Leben geht. Die Menschen wussten, dass sie in das Gas getrieben werden. Sie widerstanden mit Steinen,