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(2018) 1/2018. Oktober 2018
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20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Herman Strasfogel, ca. 1941,(c) Claude Richard(CC BV-NC-SM 2.0)

ten testamentarischen Brief erwähnt hat, in keinem einzigen Augenzeugen- Bericht beim Namen genannt hätte. Die einzige Person, auf die alle Zuord- nungsmerkmale zutreffen, ist Hersz Strasfogel, der im Jahre 1895 in War- schau geboren worden und zum Zeit- punkt der Niederschrift seines Briefs 49 Jahre alt war. Er ist höchstwahr- Scheinlich der wahre Verfasser des im Februar 1945 auf dem Gelände von Krematorium II(III) aufgefundenen Manuskripts, das als Abschiedsbrief

Chaim Hermans bekannt geworden ist. Unglücklicherweise konnte Leon Cohen nicht wissen, auf welchem Weg Ssein letzter Gruß in den Brief aus dem Krematorium gelangte und deshalb kei- ne Zuverlãssigen Aussagen darüber tref- fen. Sein franzõsischer Freund hatte ihn offenbar in Eile und streng geheim oh- ne dessen Kenntnis verfasst und in einer alten Aschegrube verscharrt:Verzeiht mir meinen chaotischen Jext vowie mein Hramnzöisch. Wenn ihr wisstet, unter wel- chen Umständen ich Schreibe Weiter- führende biografische Recherchen zu Hers?z Strasfogel könnten zukünftig zu- Sätzliche Anhaltspunkte oder Indizien für seine Autorenschaft liefern.* An Chaim Herman erinnert sich kein Zeu- ge aus dem Sonderkommando und über seinen Arbeitseinsatz im Sonder- kommando ist nichts bekannt. Berücksicht werden sollte im Hin- blick auf Chaim Hermans Schicksal auch die Diagnose seiner Lungen- erkrankung, die aus dem Fintrag vom 3. Juli 1943 im Röntgen-Befund-Buch des Häftlingskrankenbaus Auschwitz hervorgeht. Weder ist die Diagnose mit dem Briefinhalt in Einklang zu bringen, noch ließ sie eine hohe Lebenserwar- tung unter den unmenschlichen Lager- bedingungen zu. Zudem war Chaim Herman bereits nach elf Wochen Inter- nierung am 4. November 1941 wegen

Erforscht werden konnte bislang, dass Hersz Strasfogel offenbar mit seinen Fltern Hirsch(geb. 1845 in Warschau) und

Rachel(geb. 1848, geb. Grosfater) und den meisten der in Warschau geborenen vermutlich neun Brüder und drei Schwes- tern im Jahre 1900 nach Paris kam. Die Eltern gründeten in der Rue des Rosiers 23 das erste jüdische Restaurant. Herszs fünf Jahre ãlterer Bruder Schmaya wurde mit seiner Frau Fraidla mit dem 48. Hansport aus Drancy bereits drei Wochen vor Hers? und Hak nach Auschwitz deportiert. Sein 14 Jhre älterer Bruder Jacob wurde mit seiner Frau Esther mit dem 67. Hansport aus Drancy am 3. Februar 1944 nach Auschwitz verschleppt. Die Ehefrau von Bruder IZak war bereits 1928 in Paris. verstorben. Hers? wurde gemeinsam mit Hak am 21. Februar 1943 in Prancy inhaftiert. In seinem Brief beschreibt er, wie er kur? vor der Verhaftung seine Tochter am 17. Februar 1943 mit seinem Bekannten Vanhems weggehen sah.