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(2018) 1/2018. Oktober 2018
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11

sieur Hermann*) F aus der Transportli- Ste ausgewählt und zugeordnet. Dieser war tatsächlich der einzige Herman(n) unter den Familien- namen auf der Liste, unter den drei gleichlautenden Vornamen auf der LKiste Kkam altersbe- dingt keine Person in Frage. Mit wel- cher Begründung der NameHer- mann in das Begleitschreiben gelangte, kann vermutlich dann zwei- felsfrei geklärt werden, wenn das Ori- ginal des Briefs aufgefunden wird.

In einer frühen französischen Ver- öffentlichung des Briefinhalts wurden jedoch auch voreilige Schlussfolgerun- gen geZogen und ein zZweiter, aber ähn- lich lautender Familienname zugeord- net: In der Publikation aus dem Jahre 1976 von Benoist Ady Brillé,Tes tech- niciens de la mort, wird der Brief un- vollstãändig und ohne Quellenangabe unter der Uberschrift n 1émoignage Poshume wiedergegeben. Als Autor des Briefs wird ein gewisserBer- mann genannt. Fingeleitet wird der Brief mit folgenden Worten(S. 184): Mier ist ein weiteres ebenso ergreifen- des Zeugnis: das eines jungen Puriser Juden, den Marti und Coudert trufen und dessen letater Brief vom 6. Novem- her I9Ad, als er wusste, dass er zum Tode verurteilt wun weil er Miuglied des Sonderkommandos wun gefunden wur- de.(.) Der Brieß der einige Zeit nach der Befreiung gefunden vorden wan

Josef Dorembus O Privatarchiv Mich- ael Dorembus

wurde von den polnischen Behörden nach Frankreich geschickt. Der Depor- tierte Bermann ſic/ richtete ihn an gei- ne Frau und Tochten

Der Herausgeber verweist bei dem Jext auf die Aussage des Deportierten Henri Marti, der am 8. Juli 1942 von Compiégne in Auschwitz eingeliefert worden war und die Hãftlingsnummer 45. 842 erhielt. AlsInstallateur hätte er die Gelegenheit gehabt, das Unter- geschoss des Krematoriums einmalig zu betreten und dabei den Sonder- kommando-Häftling Georges Berman aus dem 12. Pariser Arrondissement ſ kennengelernt, der ihm eine mit Lei- chen gefüllte Gas- kammer gezeigt hätte. Erlebt hatten drei Hãftlinge das beschriebene EFr- eignis, Clément Coudert(48. 402), Cyrille Chaumette und Henri Marti. An den Namen erinnerte sich jedoch nur Marti, Chaumette verstarb bereits bei der Evakuierung von Nordhausen am 13. April 1945.

Der einzige Zeuge, der eine Aus- sage darüber abgab, Henri Marti, gab jedoch nicht an, dass Georges Ber- mann der Verfasser des Briefs gewe- Sen sei. Diesen Zusammenhang stel- te offenbar erst der Zuarbeiter der Publikation, der Historiker Roger Arnould, der die Zeugenaussagen ge- sammelt hatte, in Kenntnis der For- schungsergebnisse des Auschwitz-

Jankiel Handels- mann O APMO- B, Nr. Neg. 3166