Heft 
(2017) 2/2017. Dezember 2017
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12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

er?wingt einen dreijãhrigen Aufenthalt in einem Sanatorium in Davos. Das Sa- natorium ist von den jüdischen Ge meinden der Schweiz finanziert, um Mitglieder der zionistischen Jugendbe- wegung zu heilen, die in den Lagern er- krankt waren. Fine der Krankenschwe- Stern war Trude Simonsohn.

Im Gespräch äußert Frau Simon- sohn immer wieder, wie glücklich sie sei, Frau Weingarten zu treffen. Man kann entnehmen, dass Frau Weingarten im Sanatorium sehr beliebt war. Mehr- fach wiederholt Frau Simonsohn das wohl damals geflügelte WortHanil- vChnMca jung, Schön und gesund. die tauschen sich aus über die Zeit des Uberlebens in den Lagern. Mir als stil- lem Beobachter bleiben zwei Sätze in Brinnerung: Frau Simonsohn be schreibt, wie sie und ihre Mitgefange- nen sich in den Lagern immer wieder vornahmen:Wenn wir nicht reden, weyrden wirs üherhaupt nicht Schaffen. Frau Weingarten berichtet in anderem Zusammenhang:Jch habe zehn Jahre immer wieder von meiner Mutter ge traumt. Bald kommt das Gespräch auf grundsätzliche Fragen. Eine verhalten geführte Kontroverse über die Beurtei- lung der Judenãltesten kann die liebe- volle Zuneigung nicht beeintrãchtigen. Das Gespräch wäre lebhaft weiterge- gangen, wenn nicht der Vortrag in But?- bach den Abschied gefordert hätte.

Nach dreijährigem Kuraufenthalt in Davos kehrt Hanka Wertheimer nach Prag zurück und betreibt ihre Ausreise nach Palästina. Ihre Schwe- ster und weitere Verwandte leben dort schon lange. In einem Kibbuz lernt

Chana Weingarten war gerne der Fin- ladung der LGA gefolgt.

Hanka ihren Mann Abraham kennen. Sie gehen zum Studium nach Amerika und arbeiten dann in der ganzen Welt

als Futtermittelfachmann und Ernährungswissenschaftlerin. Jeder ihrer drei Söhne wird in einem ande- ren Land geboren. Der mittlere lebt in Jel Aviv in ihrer Nähe. Am zweiten Jag ihres Besuchs in Bad Nauheim schick- te er mir eine mail: er fragte nach dem Befinden seiner Mutter und trug mir auf:Send m) love 10 m) mother. Er hat seinen Namen ins Hebräische übertragen.

Durch Chana Weingartens Vorträ- ge z0g sich als Grundstimmung ein mehrmals ausgesprochener Satz: Die Menschen haben mir geholfen. Neben ihrer eigenen Stärke und wie sie Selbst sagt jugendlichen Unbeküm- mertheit hat ihr Uberleben gesichert die Hilfe vieler Menschen. Die gab es trot? Terror und Verbrechen.

Uwe Hartwig