12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
er?wingt einen dreijãhrigen Aufenthalt in einem Sanatorium in Davos. Das Sa- natorium ist von den jüdischen Ge— meinden der Schweiz finanziert, um Mitglieder der zionistischen Jugendbe- wegung zu heilen, die in den Lagern er- krankt waren. Fine der Krankenschwe- Stern war Trude Simonsohn.
Im Gespräch äußert Frau Simon- sohn immer wieder, wie glücklich sie sei, Frau Weingarten zu treffen. Man kann entnehmen, dass Frau Weingarten im Sanatorium sehr beliebt war. Mehr- fach wiederholt Frau Simonsohn das wohl damals geflügelte Wort„Hanil- vChnMca— jung, Schön und gesund“. die tauschen sich aus über die Zeit des Uberlebens in den Lagern. Mir als stil- lem Beobachter bleiben zwei Sätze in Brinnerung: Frau Simonsohn be— schreibt, wie sie und ihre Mitgefange- nen sich in den Lagern immer wieder vornahmen:„Wenn wir nicht reden, weyrden wirs üherhaupt nicht Schaffen.“ Frau Weingarten berichtet in anderem Zusammenhang:„Jch habe zehn Jahre immer wieder von meiner Mutter ge— traumt. Bald kommt das Gespräch auf grundsätzliche Fragen. Eine verhalten geführte Kontroverse über die Beurtei- lung der Judenãltesten kann die liebe- volle Zuneigung nicht beeintrãchtigen. Das Gespräch wäre lebhaft weiterge- gangen, wenn nicht der Vortrag in But?- bach den Abschied gefordert hätte.
Nach dreijährigem Kuraufenthalt in Davos kehrt Hanka Wertheimer nach Prag zurück und betreibt ihre Ausreise nach Palästina. Ihre Schwe- ster und weitere Verwandte leben dort schon lange. In einem Kibbuz lernt
Chana Weingarten war gerne der Fin- ladung der LGA gefolgt.
Hanka ihren Mann Abraham kennen. Sie gehen zum Studium nach Amerika und arbeiten dann in der ganzen Welt
— als Futtermittelfachmann und Ernährungswissenschaftlerin. Jeder ihrer drei Söhne wird in einem ande- ren Land geboren. Der mittlere lebt in Jel Aviv in ihrer Nähe. Am zweiten Jag ihres Besuchs in Bad Nauheim schick- te er mir eine mail: er fragte nach dem Befinden seiner Mutter und trug mir auf:„Send m) love 10 m) mother“. Er hat seinen Namen ins Hebräische übertragen.
Durch Chana Weingartens Vorträ- ge z0g sich als Grundstimmung ein mehrmals ausgesprochener Satz: Die Menschen haben mir geholfen. Neben ihrer eigenen Stärke und— wie sie Selbst sagt— jugendlichen Unbeküm- mertheit hat ihr Uberleben gesichert die Hilfe vieler Menschen. Die gab es trot? Terror und Verbrechen.
Uwe Hartwig


