Heft 
(2017) 1/2017. September 2017
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7

Angefangen hat die Führung oben im Turm, der zum Symbol der Shoa wurde. Gerade aus dieser Perspektive war die Größe des Lagers gut zu se hen. Auch konnte ich mir so einen Uberblick darüber verschaffen, wo welcher Lagerabschnitt gelegen hat. Anschließend sind wir in die Baracken des Quarantänelagers gegangen die- Se sowie die Baracken im Frauenlager sind die einzigen, die übriggeblieben Sind. Dass das Frauenlager tatsächlich das schlimmste war, wie es selbst La- gerkommandant Höß in seinen Me- moiren beschreibt, ließ sich beim Be- treten der Baracken sehen. Sehr beeindruckend war das Mahnmal, das zwischen den gesprengten Krematori- en Nr. 2 und 3 errichtet wurde. Die Ge- denktafel ist in 24 Sprachen zu sehen alle Sprachen, die im Lager gespro- chen wurden.

Die Geschichte des Aufstandes des Sonderkommandos am Ort des Ge- schehens noch einmal zu hören, hat mir gezeigt, dass selbst unter den grau- samsten Zuständen die Menschlich- keit bewahrt werden konnte. Zusam- menhalt, Loyalität und Nächstenliebe all das, was die Nazis zerstören woll- ten, und was ihnen nicht gelungen ist.

Was mich von allen Punkten der Studienreise sehr stark und auch emo- tional bewegt hat, waren die Ge- spräche mit Emanuel Elbinger und Waclaw Dloguborski, die beide die Verfolgung der deutschen Besatzer überlebt haben. Den Menschen, denen das Unvorstellbare widerfahren ist, zuzuhören und zu sehen, dass sie kei- nen Hass oder Groll gegenüber den

Deutschen heute verspüren, war wie eine Art Vergebung dessen, was ich mir selbst zugeschrieben habe, obwohl ich eigentlich gar nichts dafür kann. Dennoch will ich die Verantwor- tung, die ich alleine deswegen trage, weil ich Deutsche bin, nie abgeben und versuchen, dazu beizutragen, dass Auschwitz und damit alle Verbre- chen gegen die Menschheit niemals vergessen werden. Der Zeitpunkt rückt näher, an dem keine Zeitzeugen mehr leben werdne. Deshalb ist es um- so wichtiger, dass sich Menschen fin- den, die ihre Botschaft weitertragen. Wie das geschehen kann, lässt sich dis- kutieren und es bieten sich verschie- dene Möglichkeiten. Eine davon kann eine Studienreise nach Auschwit? mit der Lagergemeinschaft sein. Für mich diese Studenfahr sicher nicht die letz- te gewesen sein.

Waclaw Dlugoborski und FEsther Nauth