Heft 
(2016) 2/2016. Dezember 2016
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23

Freilegung einer Lagerstraße in Birkenau im Mai 1994 durch eine Besuchergruppe aus

Hannover QJürgen Riechers

Nachts hörten wir den Güterverkehr vom Bahnhof Oswiecim deutlich. Mein zweiter Kollege bekam davon Alpträu- me und wechselte die Wohnung schon bevor ich ankam.

Unser Büro in der IIBS bestand aus zwei kleinen Gästezimmern, die durch ein Bad verbunden waren. Kinks ein Büro für alle Mitarbeiter aus Deutsch- land, rechts das Büro der polnischen Pro- grammabteilung. Mit drei Personen war unser Büro schon voll, wir waren aber vier Deutsche. Wegen der Probleme in unserer Wohnung mussten wir im Büro duschen. Die Begegnung fand dann manchmal bereits im Bad statt, das ja als Durchgang diente. Wir mussten damals Schr anpassungsfähig und flexibel sein.

Bei der erstbesten Gelegenheit zogen wir aus dem Plattenbau aus und fanden eine neue Unterkunft im Porf Birkenau. Mein Zimmer lag direkt neben der Fin- gangstür des selbstgebauten Hauses und Schräg gegenüber dem Kohleheizungs- raum, trotzdem war der erste Winter hart. In einer stürmischen Winternacht war die Haustür nicht richtig verschlossen, und als ich morgens aufwachte, lag ein Schnechaufen vor meiner Zimmertür. Meist war ich bereits vor dem Frühstũck der von mir betreuten Gruppe im Dienst

und nachts kam ich erst als Letzter ins Bett, weil ich noch ins 4 km entfernte Bir- kenau mit dem Fahrrad fahren musste.

Auf meinem Nachhauseweg wurde ich im Dorf nachts auf unbeleuchteten Straßen oft von einer Meute bellender Hunde verfolgt. Das einzige Licht kam vom 300 m entfernt gelegenen Bahnhof von Oswiecim. Vor der Haustür erwarte- te mich dann unser blinder Kettenhund, ein alter Bernhardiner, der immer bellte, wenn er etwas hörte. Er zerrte s0 Stark an Seiner langen Kette, dass ich befürchtete, er würde eines Tages seine Hütte mit- reißen und mich erwischen.

Was waren deine Aufgaben wäh- rend des Freiwilligendienstes?

Die Arbeit mit den Besuchergrup- pen machte den wesentlichen Teil unse- rer Aufgaben aus. Dazu gehörte, sie vom Bahnhof abzuholen, nach Krakau zu be- gleiten, in der Gedenkstätte alle Termine zu organisieren und zu begleiten, Stadt- führungen durch Oswiecim zu machen Sowie Zeitzeugengespräche zu organi- sieren. Besonderen Gruppen bot ich zu- dem eine Führung durch Monowitz an.

Die meisten der Gruppen führten bei gutem Wetter auch Erhaltungsarbei- ten in der Gedenkstätte durch, z. B.