Heft 
(2016) 1/2016. September 2016
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Wohin sollen wir nach der Befreiung? Zwischenstationen: Displaced Persons nach 1945

Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv 64289 Parmstadt, Karolinenplat? 3

1. September-24. Oktober 2016

Mo.: 9- 19.30 Uhr, Di.-Do.: 9 17.30 Uhr, Fr.: 9 15 Uhr Der Fintritt ist frei.

Weitere Informationen unter www. landesarchiv. hessen. de

Hat das Kan?zleramt etwas zu verbergen?

Das Votum der Sachverständigen, die Anfang Juni vom Kulturausschuss des Bundestages angehört wurden, war einhellig: Alle geladenen Historikerin- nen und Historiker hatten sich dafür ausgesprochen, die Geschichte des Bun- deskanzleramts aufgrund seiner zentralen Bedeutung gerade in der Adenauer- Ara eigenständig erforschen zu lassen. Gerade dies soll nun aber nicht geschehen, wie aus einer Antwort von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hervorgeht.

Es sind bisher siebzehn Bundesministerien und oberste Bundesbehörden, die durch unabhängige Kommissionen von Historikerinnen und Historikern ihre Geschichte während und nach dem Dritten Reich erforschen und aufarbeiten ließen. Selbst der Bundesnachrichtendienst hat sich durchleuchten lassen.

Beim Bundeskanzleramt wird dies nun abgelehnt. Das Kanzleramt beab- sichtige lediglich, ein ressortibergreifendes Forschungsprogramm auszuschrei hen, teilte Ministerin Grütters mit, wie die Tageszeitung taz(30. August 2016) berichtete. Damit sollen, laut Grütters,Forschlungsliicken zu bislang nicht ndher ntensichten zentralen deuuschen Behörden einschließlich des Bundeskanzler amts geschlossen nd resvortiibergreifende Querschnittsprojelkte initiiert wer- den. Das Programm solleals Ergänzung neben die bislang ibliche Forschung in ind ⁊u den einzelnen Kessorts treten.

Brisant ist die Ablehnung des einhelligen Vorschlags der Sachverstingen vor allem, weil das Kanzleramt zwischen 1953 und 1963 von Hans Globke geleitet wurde. Adenauers mächtiger Staatssekretär ist eine der schillerndsten Persona- lien in den Anfängen der Bundesrepublik. Der Name des Kommentators der Nürnberger Rassegesetze, der bis 1943 in Hitlers Reichsinnenministerium gear- beitet hatte, steht wie kein anderer für die Kontinuität nationalsozialistischer Funktionseliten, die in der Bundesrepublik ihre Karrieren fortsetzen konnten. Die Rolle des Kanzleramtes müsse Mmfassend und nicht nur unter ferner liefen intersucht werden, fordert der Bundestagsabgeordnete Jan Korte(Die Linke).