Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15
werden, dass Auschwitz fälschlicher- weise als„polnisches Vernichtungsla- ger“ bezeichnet werden kann.
Heute wird die Gedenkstätte jähr- lich von mehr als 1,5 Millionen Men-
schen aus der ganzen Welt besucht. Laut Internationalem Auschwitz Ko— mitee in Berlin sind etwa 60 Prozent der Besucher und Besucherinnen junge Menschen unter 26 Jahren.
Bestandteil des Weltwissens
Die Situation bei mehr als 1,5 Millionen Besuchern pro Jahr
Das Kopfhörersystem wollte er nicht benutzen. Seine geschulte Schau- Spielerstimme würde die Geräusche der Windben übertönen beim Rund- gang durchs Stammlager an einem Sonnigen aber schon kalten Oktober- Sonntag. Wir waren an dem Vormittag fast allein mit Thadeus?z Sobolewicz. Langsam gingen wir mit ihm durchs Stammlager und er erzählte uns an verschiedenen Orten, was er als Ge- fangener in Auschwitz erlitten, gese- hen und von Kameraden gehört hatte.
Das war vor sechs Jahren. Heute Stehen wir schon vor dem Fingangsge- bäude Schlange vor der Sicherheits- Schleuse, die alle passieren müssen. Die Grõße der Taschen wird genau kontrol- liert, was Zu groß ist, wird zurückgewie- sen. Vorher wurden Führungen und Archivbesuch schon bezahlt. Kopf- hörer sind Pflicht. Wer allein anreist oh- ne Vorinformationen, muss sich einer offenen Führung anschließen, die viel- leicht erst in zwei Stunden beginnt.
An manchen Stellen im Stammla- ger stauen sich die Besuchergruppen: vor allem im Raum mit dem Modell der Gaskammer und dem Gang ge- genüber. Vor Block 11 und besonders dort im Keller. Kaum ist im Stammla-
ger noch individuelles Gedenken an die Opfer und schon gar nicht ehren- des Innehalten möglich. AMerdings: Die letzten Stunden der Offnungszei- ten bieten dafür Möglichkeiten.
Die Guides der Gedenkstätte ge- ben sich große Mühe, der eigenen Gruppe gerecht zu werden und gleichzeitig auch auf die anderen Gruppen Rücksicht zu nehmen.
Man mag die gesamte Situation be- dauern. Zu kritisieren ist sie nicht. Die verschiedenen Anlässe des Erinnerns und Gedenkens der letzten Jahre ha- ben Auschwit? zunehmend ins öffentli- che Bewusstsein gehoben. Das wirkt sich auf die Besucherzahlen aus. Auch unsere Lagergemeinschaft erhält in?wi- Schen etliche Anfragen nach Teilnahme an unseren Studienfahrten, aber auch nach Beratung für persõnliche Besuche in Auschwitz. In Krakau wird für den halbtägigen Besuch von Auschwitz ge- worben im selben Atemzug mit der Werbung für eine Fahrt zu den Salz- minen von Wieliczka.
Fine demokratische Gesellschaft kann keine Auswahl treffen, wer an- gesichts der riesigen Besucherzahlen von derzeit 1,5 Millionen pro Jahr in die Gedenkstätte darf und wer nicht.


