Heft 
(2015) 1/2015. Dezember 2015
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1

Nicht nur Vergangenheit, sondern auch eine 70-jährige Gegenwart?

Liebe Mitglieder und Unterstützer unseres Freundeskreises,

die Liste der Nachrufe auf in diesem Jahr verstorbene Zeitzeugen und Mit- glieder ist lang(iehe die Seiten 2531). Die Befreiung von Auschwitz und ande- ren Konzentrations- und Vernichtungs- lagern des Deutschen Reiches sowie das Ende des Zweiten Weltkrieges Hiegen nun bereits 70 Jahre zurück. In abseh- barer Zeit werden auch die letzten Uberlebenden der deutschen Lager und Gestapo-Gefängnisse gestorben sein.

Soll die Erinnerung an sie und das, was ihnen angetan wurde, dann weiter aufrecht erhalten werden? ie muss*, lautete die Antwort der Auschwit?- Uberlebenden Anita Lasker- Wallfisch? kürzlich auf eine entsprechende Frage bei einem Interview des Hessischen Rundfunks.Es ist wichtig, vich zu erin- nem, 80 Frau Lasker-Wallfisch weiter, Chauen Sie sich lm, wus in der Welt ge- Schiehnt Man mordet doch mit grõßtem Vergniigen. Sie miüssen vehr voyichtig vein mit Menschen. Eine ziemlich ge ſcinrliche Erfindung.

Als große Befürchtung der überle- benden KZHäftlinge nannte Anita Lasker-Wallfisch bereits kurz nach der Befreiung durch die britische Armee dem Sender BBC, dass die Welt nicht glaluhen wird, was dort geschehen ist.

Nun wird seit einigen Jahren die Leug- nung des Holocausts als Straftat geahn- det in Deutschland und anderen Staa- ten. Auch die Vernichtung von Roma und Sinti und weitere Verbrechen des deutschen Vernichtungskrieges in den ost- und südosteuropãischen Ländern wie auch die Versklavung deren Bevöl- kerung werden nur noch von notori- Schen Geschichtsleugnern bestritten.

Aber alle Brinnerung und wissen- Schaftliche Bearbeitung der Mensch- heitsverbrechen, die sich mit MAusch- wit? in einem Wort Zzusammenfassen lassen, haben es nicht vermocht, die ge- genwärtigen Kriege, Vertreibungen und Ungerechtigkeiten in fast allen Teilen der Welt Zu verhindern. Natürlich lassen sich keine vereinfachten Gleichsetzun- gen von damals mit heute treffen, aber menschenfeindlicher Machthunger, Rassismus, Antisemitismus, Vertrei- bung, Ausgrenzung und Diskriminie- rungen bestimmen immer noch in er Schreckendem und in vielerlei Hinsicht tõdlichem Maß die Weltgeschichte.

So ist auch in dieser Hinsicht die Aussage eines Briefes zu verstehen, die Anita Lasker-Wallfisch im Nachwort ih- res Buches Vhr vollt die Wahmeit erben Zitiert: Vor einigen Jahren hatte ihr ein Besucher einer Lesung berichtet, dass er durch ihre persönliche Schilderung be- griffen habe, dass es sich beim Holocaust

* Pie in London lebende Anita Lasker Wallſisch war vom 9. J3. November 2015 auf unsere Ninladung hin zu Gast in Peluchland. Sie hat bei einer õffentlichen Abendveranstultung in Bad Vilhel gesprochen und bei drei Jerminen an Schulen in Hriedberg, Seligenstadt und Herborm.