Heft 
(2011) 2/2011. Dezember 2011
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8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Ein Leben unter fünf Namen Miriam Magall setzt ihren Eltern und ihrer Tante Rachel Grabsteine

Pine Woche lang war die in Berlin lebende Miriam Magall im November auf Pinla- dung der Lagergemeinschaft Alschwitz- Hrelundeskreis der Auschwilzer sowie der mnst Chambré-Stiftung zu Besuch in Hessen. An sechs Schulen des Wetteraukreises Sowie bei einem Ireffen in Lich im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge mit Jugend- lichen aus drei weiteren Schulen aus Wetzlar, Herborn und Lich berichtete sie über ihr Leben als verstecktes jũdisches Kind. Sie las dabei aus dem von ihr selbst alshalb- autobiografisch bezeichneten RomanMas Brot der Armt und erlãuterte aber auch immer wieder davon abschweifend Bpisoden, die dort nicht schriftlich festge- halten sind. Neben den Ireffen mit den Schülerinnen und Schülern war Miriam Magall Zudem Referentin bei Zwei õffentlichen Abendveranstaltungen: Am 9. No- vember in Butzbach im Museum der Stadt bei der Gedenkfeier anlässlich des Jah- restages der Reichspogromnacht von 1938 und einen Tag spãter in Ortenberg beim Kulturkreis Altes Rathaus Ortenberg., Mit der Pogromnacht vor 75 Mahren fand das Ziel der deutschen Fuschisten veinen unmiss verstndlich Sichthuren Ausdruck. Pie rest- lose Nrmordung der Juden. Der Prozess der Entrechtung wur Schon weil forigeschril- en nd wlirde nun verschrft und beschleunigt.Mit diesen Worten leitete IGA-Vor- sit?ender Uwe Hartwig die Veranstaltung ein., Ichk erzdhle nun von der Horetzung

dieses historischen Patums, knüpfte die 1042 geborene Miriam Magall an.

Miriam Magall, Rachel Kochawi, Keren Kowalski, Kriemhild Stach. Es ist ein Leben, das unter vier Namen geführt wurde bzw. wird. Bigentlich sind es fünf Namen, denn Kriemhild Stach steht in dem Buch, Pas Brot der Armit nur stellvertretend für einen anderen Namen, den die Autorin nie- mals mehr in den Mund nehmen oder lesen möchte.

Miriam Magall ist der dritte ihrer Namen. Es ist ihr erster selbst gewähl- ter. Sie entschied sich in den 1960er Jahren dafür, als sie nach Israel ein- wanderte. Es sollte ein võlliger Neube- ginn ihres Kebens sein, deshalb machte sie von dem Recht des jüdischen Staa- tes Gebrauch, sich einen neuen Namen zu wählen. Und so steht Miriam Magall auch ganz offiziell in ihrem Pass.

Geboren wurde sie 1942 in einem einsam gelegenen Jagdhaus eines deutschen Junkers an der Grenze zwi-

schen Ostpreußen und Polen. Ihre El- tern, Zelda und Gabriel Kowalski, ga- ben ihr den Namen Keren und trugen ihn auf Hebräisch auf ihrer Hochzeits- urkunde ein. Zelda Kowalski starb we- nige Stunden nach der Geburt ihrer Tochter. Ihr Mann Dr. Gabriel Kowalski und seine Schwester Rachel konnten, obwohl er Arzt war und sie Krankenschwester, die Blutungen der jungen Mutter nicht stoppen. Das Ver- Steck wurde kur? darauf von deut- Schen Soldaten entdeckt. Zuvor hatte Rachel Kowalski ihren Bruder über- zeugt, die kleine Keren dem vormali- gen Dienstmädchen der Familie zu übergeben. Diese junge Frau hatte den Kowalskis auf deren Bitte hin das Jagdhaus als Versteck empfohlen.

Als Miriam Magall nach einer Rei- he von Sachbüchern anfing, literarische Werke zu schreiben, unter anderem den stark autobiografisch geprägten