4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Verunsichernde Orte Gedenkstättenpädagogik heute
Zwischen 2007 und 2010 haben Fachkräfte aus Deutschland, Oster- reich und Polen im Projekt„Gedenk- vttenpòdagogi und Gegen wartsbe— zg— elhstverstdndnis und Konzeptt entwicklung“ intensiv über die Aus- wirkungen gesellschaftlicher und poli- tischer Entwicklungen auf ihre Arbeit und ihr Berufsbild diskutiert. Das Er- gebnis ihrer Uberlegungen liegt nun mit dem Buch„ Verunsichernde Orte“ vor. Auch wenn es sich vor allem an Pãdagoginnen und Pãdagogen richtet, die in Gedenkstätten arbeiten oder Besuchsgruppen begleiten, ist gerade sein umfassender Theorieteil auch für Nicht-Pädagogen sehr lesenswert.
Wer von den Alteren unter uns er- innert sich nicht, wie lange es gedau- ert hat, bis ehemalige Schreckensorte der nationalsozialistischen Herrschaft zu Gedenkstätten wurden? Oft erst nach Jahrzehnten gelang es, die Widerstände in Politik und Bevölke- rung zu überwinden.
Heute, Sso scheint es zumindest, sind Gedenkstätten allseits akzeptiert, gehören zum Selbstverständnis dieser Republik und ihr Besuch ist in vielen Schulen Jeil des Gurriculums. Sie sind geradezu„Staatstragend“ geworden, und nicht selten werden Staatsbesu- cher und besucherinnen dorthin ge- führt. Nicht zuletzt daran, dass jetzt ein Berufsbild für die pãdagogische Arbeit erarbeitet wurde, lässt sich der zurück- gelegte Weg seit den Anfängen der Ge- denkstättenarbeit ablesen. Allerdings zeigen z. B. die bisher erfolglosen
Die PisMissionen dartihen was der Holocaust ab Mahnung und Aſtrag für nachommende Gene- rationen hinterlassen hat und an welchen Slellen er zur Legitimie- rung altueller politischer Interessen instrumentulisiert wird, missen(..) immer wieder neu geführt werden⸗ auchk und emt recht, wenn die letzten Uberlebenden der Lager gestorben vind.(Verena Haug,§ 360)
Bemühungen um die Pinrichtung einer Gedenkstätte auf dem ehemaligen KZGelände„Katzbach“ in Frankfurt am Main, dass das Selbstverständnis nur bedingt ist und auch immer wieder in Frage gestellt werden kann.
Standen bei den ursprünglichen Bemühungen um die Pinrichtung von Gedenkstätten das Gedenken und die Vermittlung von Wissen über einen konkreten Ort im Kontext der NS- Zeit im Zentrum, muss heute auch die Geschichte des Ortes als Gedenk- stätte vermittelt werden. An ihr las- sen sich nicht nur politische Bedin- gungen, sondern auch gesellschaftli- che Veränderungen ablesen(Die Ge- denkstätte Dachau kann als Beispiel dienen; S. 7 f).
Die meisten Jugendlichen, die heu- te eine Gedenkstätte besuchen, haben keine persõnliche Verbindung zu Zeit- zeugen. Die Zahl der Uberlebenden, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse mitteilen können, wird immer kleiner.


