6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
ist. Nur wenn es neben ihm geschieht, daß man sie zusammentreibt, nieder- Schlägt, in Fuhren lädt, weiß er, wie dies ist.
Jet?t steht er nur in einer unterge- gangenen Welt. Hier kann er nichts mehr tun. Eine Weile herrscht die äußerste Stille.
Dann weiß er, es ist noch nicht zu Ende.
Meine Oritschaft
aus Peter Weiss: Rapporte 1968 Suhrkamp Verlag, hier entnommen
einem Sonderdruck, herausgegeben von der Aktion Sühnezeichen- Friedensdienste,
Berlin, 1992
Das Wissen, dass„es noch nicht zu Ende“ ist, dürfte vielen von uns- die wir nach dem Krieg geboren wurden und nicht dazu bestimmt waren,„über- siedelt“ zu werden- bei Aufenthalten in Auschwit?-Birkenau ebenfalls bewusst geworden sein. Die überlebenden Häft- linge der Konzentrationslager und deut- schen Gefängnisse benötigten dagegen keine nachträgliche Versicherung, dass „es noch nicht zu Ende“ ist.
Grauenhafte Weihnachten 1942
Unser Vereinsgründer Hermann Reineck- sein Jodestag jährt sich am 29. Dezember zum 15. Mal- fuhr auch nach seiner Befreiung immer wieder „Zurück“ nach Auschwitz, traf sich mit Kameraden und begleitete Besucher- gruppen bei Studienfahrten. Weihnach- ten hat er nur noch einmal richtig feiern können: Das war 1945, als„endlich frei von all dem Druck“ dieses„Gefühl der Freiheit alles andere überwog“, wie er es in einem Interview für den Westdeut- schen Rundfunk einmal formulierte. Bereits 1046 und alle darauffolgenden Jahre war ihm das Fest jedoch ein Gräuel, denn stets war ihm die Erinne- rung an Weihnachten 1942„lebendig“ vor Augen.
Damals ließ die SS in Auschwitz die Häftlinge unter einem großen beleuch- teten Weihnachtsbaum Zzum Appell an-
treten. Die Schwächsten- die Musel- männer- wurden, sofern sie nicht mehr stehen konnten, bei Minus 34 Grad un- ter den Baum gelegt. Die S8 befahl, sie mit Wasser zu übergießen, s0 dass sie in Pisblöcke eingefroren starben.„Und außer diesem Weihnachten 1945, weil das eben diese Lösung von diesem un- geheueren Druck war, habe ich eigent- lich Weihnachten nie mehr als schönen Feiertag empfunden. Ich kann seitdem Weihnachten nicht mehr feiern, wie das andere machen, das geht nicht mehr“, S0 Hermann in dem Interview 1985.
Pr bat Somit in der AdventszZeit im- mer wieder die Freunde und Mitglieder der Lagergemeinschaft, für die Weih- nachten vor allem ein schönes Fest ist, um Spenden für die Unterstüt?ung der im Dritten Reich verfolgten Menschen. Auch nach Hermanns Tod sind uns die Anliegen der Uberlebenden und ihrer Angehörigen von größter Wichtigkeit. Pank der Spenden von Mitgliedern und Sympathisanten konnte die Lagerge- meinschaft- HrelundesKreis der Ausch— witzer nicht nur moralische Solidarität mit Opfern des Dritten Reiches üben, Sondern in gewissem Umfang auch ma- terielle Nöte lindern. Im laufenden Jahr waren es wieder mehr als 12.000 Euro, die wir weitergereicht haben. Es ging an die gleichen Institutionen(z. B. das Am- bulatorium in Krakau und die verschie-


