Heft 
(2010) 1/2010. Juli/August 2010
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38 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

es überhaupt- wenn sie nicht wären hier irgendeine Spur?

Seit dieser Zeit bin ich häufiger Gast im Museum, mit fast allen befreundet und aufgenommen wie ein enger Freund! Die gezeigte Wärme und Aner- kennung sind Balsam für die Erniedri- gungen und Verletzungen von damals. Jedes nächste Treffen- das ist Freude und ein weiterer zusätzlicher Beitrag zur Festigung und Vertiefung des Ver- Ständnisses für jene Vergangenheit, für Schlussfolgerungen und den eigentli- chen Sinn der Brinnerungspflege.

Sie konnten jedoch meinen Namen auf den Häftlingslisten im Archiv nicht finden. Nicht alle Dokumente blieben erhalten, denn ich hatte selbst gesehen, wie die Deutschen vor Antritt des Jo- desmarsches diese Dokumente auf dem Hof verbrannten, bevor sie das Lager verlassen hatten.

Doch plõtzich, an einem Januarmor- gen des Jahres 1997 klingelte das Ielefon in meinem Haus in Herzlia. Das Muse- um in Auschwitz informierte mich, dass ich in den Dokumenten von Auschwitz, die aus Moskau gekommen waren, ge- funden worden sei. Hala Gryns?tejn, Nummer 48693, Beruf, aber anstelle des Geburtsdatums- ein Fragezeichen!... Fränen schnürten mir den Hals zu. Eine trockene Aufeichnung, und soviel In- halt! Die schriftliche Bestätigung jener Zeit! Es war also alles wahr, was ich er- zählte, Schrieb, auf Tonbänder und auf Video aufgezeichnet hatte.. Das war ich. Ich war also registriert, und niemand kann das bezweifeln!

Pin heißer Julitag im Jahre 1943. Ich Stand auf dem Appellplat? vor der Sau- na, nackt, im dichten Gedränge hunder- ter anderer nackter Frauen, nachdem uns alles abgenommen und die Haare

geschoren worden waren. Alles um uns herum unbekannt, ekelhaft, Furcht ver- breitend. Ständig verlor ich meine Schwägerin, die einzige Person, die mir von der ganzen Familie, von den Frinne- rungen an unser Haus und an das men- schenwürdige Leben geblieben war. Ich zitterte bei dem Gedanken, dass sie uns trennen! Wir erkannten uns nach dem Abschneiden der Haare in diesem Ge- drãnge fremder, benommener und tõd- lich erschrockener Frauen nicht sofort wieder. Die Frauen bekämpften sich ver- bissen, feindselig schon am Anfang. In Panik sprachen sie davon, was zu sagen Ssei, welche Ausrede zu benutzen, welches Alter an?zugeben, wo zu stehen, welche SS-Aufseherin zu fragen- vielleicht ist Sie weniger bösartig? Ich hatte schreckli- chen Durst nach 48 Stunden Fahrt im brennend heißen Viehwaggon. Es gab nichts, die Schlange, die sich zur Regi- strierung in brennender Sonne auf dem Plat? angestellt hatte, nahm kein Ende. Diese ganze Prozedur der Umwandlung unserer Personen in Häftlinge des FKI. Auschwit?-Birkenau(Frauenkonzentra- tionslager) dauerte bis zum Abend. Plõt?lich Sah ich einen Pimer mit irgend- einer Flüssigkeit und fiel ohne Uber— legung mit meinem Mund auf ihn. Fkel- hafte Seifenlauge floss mir in den Hals..

Inmitten einer unbeschreiblichen Angst, unter Schlägen und Erniedrigun- gen registrieren sie unsere Namen, Ge- burtsdaten, Berufe... Jedes Wort kann Sich als gefährliche Falle erweisen, das Schlimmste bewirken. Diese Angaben in den abweisend notierenden Händen der Lagerleitung- das war das Urteil über Leben und Jod für uns alle.

Ich wusste Schon, dass ich nicht mein wahres Alter angeben durfte. Ich kann mich heute weder daran erinnern, noch mir den Moment vorstellen, als ich mich