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(2008) 2/2008. Dezember 2008
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14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

den umliegenden Kleinstädten und aus dem Alt-Reich in das Getto Iit?mann- stadt, wie etwa der 1186 Juden aus Frankfurt, waren während des Krieges mehr als 200.000 Juden im Getto un— tergebracht, was bedeutete, sie waren zusammengepfercht und auf Versor- gung von außen angewiesen. Die Zu- stände waren und sind bis heute im wörtlichen Sinn„unbeschreiblich“. Für sie gab und gibt es keine Worte.

Das Getto wurde im August 1944 „aufgelöst“. 44.000 Menschen starben dort, 150.000 wurden in den Vernich- tungslagern Chelmno/Kulmhof und Auschwitz-Birkenau ermordet, davon alleine 70.000 noch im August 1944 in Birkenau.

Im„Kalendarium der Breignisse im Konzentrationslager Auschwit?z- Birkenau 1939-1945“ heißt es unter dem Datum 15. August 1944 und, in et- wa gleichlautend, 16. August 1944: As dem Jransport des KA als dem Ghello in Lodz werden nach der Selelk- tion 2u Mdnner als Hdftlinge ins La- ger eingewiesen- Die als arheitsunfähig Hingestuften werden in die GasKam- mern geschickt. Am 16. August werden 270 Männer, also die Gesunden und Jungen, als sogenannte Depot-Häftlin- ge in Birkenau zurückbehalten. 314 „arbeitsfähige“ Männer von 70.000 Menschen, die ermordet werden!

Das sind die Zahlen, aber wie kön- nen wir uns das Unbeschreibliche vor- Stellen? Lucille Fichengreen, die das Getto überlebt hat, schreibt über eine der Deportationen in das Vernich- tungslager Kulmhof, wohin im Sep— tember 1942 ihre kleine Schwester Ka- rin selektiert worden war: Wir hatten heide unsere Hdnde nach einander aus— gestreckt, lind doch wuren wir im vel- hen Augenblick Schon endlos von ein-

ander getrennt. Motoren wurden ge— vtartet, die Lastwagen rollten an. Ich wlurde fust ohnmächtig. Karins Augen hliehen ganz ſest auf mich gerichtet, bis ich sie nicht mehr sehen Konnte. Mein verz weifeltes SChluchzen ind meine Vrnen vermischten sich mit denen der anderen, die Briiden Schwestern, Väten Mitten Ehemdnnen Frauen lind Kin- der verloren hatten.

Die Gettochronik

Vom 12. Januar 1941 bis 30. Juli 1944 wurde in einer„Tageschronik“ eine ErzZählung von Leben und Tod ge-⸗ schrieben, die dreieinhalb Jahre währ- te und vor dem Vergessen bewahrte, was sich im Getto ereignete: Tag für Tag der Wetterbericht, Nachrichten aus dem Alltag des Gettos, vom Kulturleben bis zum Polizeibericht, Meldungen über Streiks und Depor- tationen, Verlautbarungen der Be— hörden, Krankheiten, Sterbemeldun- gen. Und ab Herbst 1942 die festen Rubriken„Man hört, man spricht“, „Kleiner Getto-Spiegel“ und auch „Getto-Humor“.

Die„Personenzahl“ des nach drei Tagen mit Ankunftsdatum 21. X. 1941 verZeichneten Transports wird mit „1186“ angegeben. Unter„Selbst— mordversuche“ ist zu lesen: Am 27. OKtoher wurde die Kettungsbereit- Schaft zu einer Baracke gerkfen, in der ein gerade aus Frankfurt am Main an- gehommener Transport untergebracht woyden war In diesem Jransport hatte ein Fhepaam Alfred, Irael“ Goldman⸗ geboren J77 in der Stadt Hindenburg in Schlesien/ und seine Gemahlin Szdr— jota„Sara gehoren Jd6 in FranK- furM./ noch während der Zugfahrt Gift eingenommen. Die Kettungsbereit- Schaft brachte die EFheleute ins Kran-