Heft 
(2008) 2/2008. Dezember 2008
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3

Zu diesen Jahren trug das Verhängnis in fast ganz Europa Wehrmachtsstiefel

Eva Pus?tai und Andor Frankl Sprechen über eine Ooffene Wunde, die nie verheilt

Es war eine sehr anstrengende Wo- che für die 83 jährige Eva Pusztai und den S7 jährigen Andor Frankl. Die bei- den Holocaust-Uberlebenden waren aus Ungarn angereist, um auf Finla- dung der Lagergemeinschaft in der er- sten Novemberwoche an mehreren Schulen als Zeitzeugen mit Jugendli- chen zu diskutieren. Darüber hinaus haben sie bei der Ge- denkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Pogro- me von 1938 am 9. No- vember im Museum der Stadt But?bach berich- tet, was sie unter der Verfolgung durch den deutschen Staat erlei- den mussten.

EFva Pusztai, in De- brecen als wohlbehütete Tochter einer bildungsbürgerlichen Familie mit deut- Scher Kultur aufgewachsen, wurde zunächst nach Auschwit? deportiert. Zur Zwangsarbeit wurde sie dann über Buchenwald ins hessische Stadtallen- dorf bei Marburg verschleppt, um dort bei Dynamit Nobel Granaten für den deutschen Sieg zusammenzubauen.

Andor Frankl war als Zwangsarbei- ter bei Schanzarbeiten eingesetzt. Er war Häftling in Gunskirchen, einem Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Er überlebte einen rund 500 Kilometer langen Todesmarsch, bei dem es für die Hãftlinge wenig und teil- weise tagelang gar keine Verpfiegung gab und die meisten statt Schuhen nur noch Fet?zen um die Füße gewickelt

FEva Pusꝰtai und Andor Frankl

hatten.Wer zurückblieb, wurde er- schossen, berichtete Frankl.

Tief bewegend waren ihre klaren Worte, die sie mit dem Charme ungari- schen Pinschlags in der hellwachen Stimme schilderte und von der Hölle auf Erden berichtete, die sie durchlei- den musste. So beschrieb der Repor- ter derBut?bacher Zeitung den Vor- trag von Eva Pus?tai. Inklusive der Fragerun- de berichteten Eva und Andor zwei Stunden lang über das unermess- liche Leid, über das Eva bis Zzum Jahr 2004 gar nicht reden konnte.Sie

fasste Unsagbares in Worte und übersprang dabei trotzdem noch viel Grausameres. Sie blieb dabei stets zuvorkommend freundlich und ohne einen Anflug von Anklage, charakte- risierte dieBut?zbacher Zeitung den Vortrag. Und abschließend sagte Eva: Was mit linseren Seelen pussiert ist, das is SᷣChnwer zi Sagen. Aber wir hassen nie- manden.

Zwei Sohlen Lebensraum in Muschwitz

1938 war Eva 13 Jahre alt. Die weit- ver?Zweigte Familie hatte viele Ver- wandte in Wien. Deren Verfolgung be- gann bereits im Mär? mit dem Anschluss Osterreichs ans Deutsche Reich. Die Tanten und Onkel flüchte- ten in die Slowakei, wo sie 1042von der Wehrmacht erreicht wurden, und ihr