Heft 
(2008) 1/2008. August 2008
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

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KeineShock and go-Effekte

Als derZug der Brinnerung in Frankfurt am Main startete, schrieb Hans Riebsamen in der FAZ(S.11.2007), dass Bahnchef Mehdorn nicht recht hat- te mit seiner Behauptung, Bahnhöfe seien keine Orte um den Opfern des Holocausts Zu gedenken. Die Ausstellung über deportierte Kinder habe nichts mitShock and go zu tun, wie Mehdorn unterstellt hatte.

Riebsamen schilderte seine Beobachtung: Fine Karte der Deportations- trecken in einem der Ausslellungs- Waggons zeigtAlle Wege fiihren nach Alis- chwitz. Nicht ohne Grund vind die Giterwugen mit irer menschlichen Fracht mit ⁊m Smhol des Holocuusis geworden.

Margot Kleinherger ist alb Kind in einem volchen Zig abtrunsportiert woyden nach Vheresienstudi. Jetzt ist vie eine alte Hrau mit diinner Stimme. Moch trotz des üblichen Bahmnhoſplärms haben 150 Zuhören die den, Zig der Prinnerung in Hrankfurt empfangen haben, sie genau vemiunden. Nehen uu Kleinherger erzdhlen auch die Kinder im Zug der Erinnerung ihre Ge- Schichte. Selma Meerhaum zum Beispiel eine junge Dichterin alus CZernowilz, die mit V ahren ins Arbeitslager MichdilowsMi deportiert wlurde und dort ⁊u Vode Kam.Jch möchte lehen. Ich möchte lachen und Lasten heben, hat sie in einem Brief geschriehen. Uhre Sätze wirken auch an einem Oyt der laut hel-

tiscn und eng ist wie der HFrankfurter Haupthbahnhof

langt wurde:Hr mich hdt es den An- Schein, als oh es den heutigen Verant- worlichen im Nachhinein leid tut die Keinkinder damals Kostenlos in den Vod hefõrdert zu haben, lind heute nachtrglich- diese Geldeinhuße durch Rechnungsslellung im Zusammenhang mil diesem Zig, der ehen an diese Kin- der erinnert, alsgeglichen werden soll. Mehdorn drohte SZentai-Heise mit Kla- gen. Jedoch auch der Zentralrat der Juden in Deutschland reihte sich in die Kritik am Bahnvorstand ein. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentral- rates meinte, erhätte es diplomati- scher formuliert, aberim Kern teile ich den Unmut von Szentai-Heise. Mehdorn habe schließlich alles ver- sucht, sowohl denZug der Brinne- rung als auch die Ausstellung der Bahn über die Deportationenauf eine klein- karierte Art zu hintertreiben. Auch habe er hinter den KulissenStrippen

geZogen,einmal gefundene Kompro- misse zu untergraben, und Bestrebun- gen innerhalb der Bahn unterbunden, sich kooperativer zu zeigen. Sogar die bahneigene Ausstellung sei nur auf Druck- unter anderem des Verkehrsmi- nisteriums- realisiert worden. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden, wandte sich õffentlich gegen den Bahnchef. So sag- te sie der Thüringer Landeszeitung(I9. April 2008):Es ist hedauerlich, dass Sich die Finsicht in die Bedeutung der Frinnerung nicht auch bei der Peut- Schen Bahn durchgesetzt hat, die jetzt mit ihrer Verweigerungshaltung gegeni- her dem Zug der Erinnerung' ein falsches ja ein futales Zeichen vetzi. Jch meine, dass die Bereicherung, die diese Alslellung hedeutet, hei weitem größer ist, als die Umstdnde, die der Peuschen Bahn aus einem Aufenthalt des Ziges enttunden wären. Wer eine demohrati-