Heft 
(2008) 1/2008. August 2008
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

und Gefängnissen ermordeten Kame- raden wachzuhalten. Gleichzeitig mahnten sie damit, nicht zu vergessen, welche Grausamkeiten Menschen ein- ander antun können. Wir erfuhren von ihnen, wie Menschen sich auch in Pxtremsituationen für humanitäres Verhalten entschieden,weil sie kein Schwein sein wollten, wie es Staszek beschrieb- später aber den Ausdruck Schwein bedauerte, denn die Tiere sind unschuldig, während Menschen grausam sind. Die Fäter waren die Schuldigen. Stas?ek und Henryk über- trugen diese Schuld nicht auf deren

nachgeborene Generationen. Vielmehr ermutigten sie ihre deutschen Zuhörer, aus der Vergangenheit Lehren zu zie- hen und für die Gegenwart Verantwor- tung zu übernehmen.

Wir sind sicher, dass auch nach ihrem Tod Henryks und Stas?zeks Worte an die Menschenunserer vergeßlichen PErde, die ihnen jemals zuhörten, noch mehr als nurein Weil- chen sprechen. So wie es sich die Ho locaust-Uberlebende Rose Ausländer in ihrem Gedicht erhofft.

Hans Hirschmann

Weiß ich viel, vielleicht zu viel für ein Leben Wie Staszek Hantz Auschwitzdurchlebte

Es hat einige Zeit gebraucht, bis sich der Pole Stanislaw(Stas?ek) Hant? an die deutschen WorteHerzlich will- kommen undFreundschaft ge wöhnt hatte und sie als ehrliche Aussa- gen akzeptieren konnte. Vor mehr als Sechs Jahrzehnten- im Alter zwischen 17 und 22 Jahren- war er in deutscher Sprache nur mitDu Schwein,Blö- der Hund und ähnlichen Beschimp- fungenangesprochen worden, wie er in vielen Gesprächen und Vortrãgen Seinen Zuhörern erzählte.

Uber einen seiner Vortrãge vor Stu- denten in Gießen schrieb ich im Herbst 2005 folgenden Zeitungsbericht(Aus- züge): Fast fünf Jahre lebte Stanislaw Hantzohne Schuld und ohne Ge richtsurteil als KZHäftling in ständi- ger Todesgefahr. Von den 1665 Gefan- genen seines Iransportes ist ereiner von Zwölfen, die das Kriegsende er- lebten. Bei einer Razzia in Warschau verhaftet, kam er am 15. August 1940 in

Auschwit? an.Arbeit macht frei Stand dort über dem Fingangstor. Aber Schon beim ersten Appell erfuhren die Deportierten von SS-Lagerführer Fritsch, dass die Häftlinge lediglich das Recht hätten, das Lagerals Rauch durch Schornsteine von Krematorium zu verlassen.

Zuvor Sollte jedoch nach dem Prin- zipVernichtung durch Arbeit ihre Arbeitskraft ausgebeutet werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung polnischer Hãftlinge lag bei drei Mona- ten, die von Juden undZigeunern bei zwei Wochen, verdeutlichte Hantz die Todesmaschinerie. Erdurchlebte- s0 seine Formulierung- die Zeit nur mit viel Glück und noch mehr Zufällen. Um zu überleben, waren zudem der feste Wille nötig, durchhalten zu kön- nen, Ssowie die Freundschaft unter den Häftlingen, die bei dem stãndigen Hun- ger und der Willkür der Bewacher alles andere als selbstverständlich gewesen