4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
und Gefängnissen ermordeten Kame- raden wachzuhalten. Gleichzeitig mahnten sie damit, nicht zu vergessen, welche Grausamkeiten Menschen ein- ander antun können. Wir erfuhren von ihnen, wie Menschen sich auch in Pxtremsituationen für humanitäres Verhalten entschieden,„weil sie kein Schwein sein wollten“, wie es Staszek beschrieb- später aber den Ausdruck „Schwein“ bedauerte, denn die Tiere sind unschuldig, während Menschen grausam sind. Die Fäter waren die Schuldigen. Stas?ek und Henryk über- trugen diese Schuld nicht auf deren
nachgeborene Generationen. Vielmehr ermutigten sie ihre deutschen Zuhörer, aus der Vergangenheit Lehren zu zie- hen und für die Gegenwart Verantwor- tung zu übernehmen.
Wir sind sicher, dass auch nach ihrem Tod Henryks und Stas?zeks „Worte“ an die Menschen„unserer vergeßlichen PErde“, die ihnen jemals zuhörten, noch mehr als nur„ein Weil- chen“ sprechen. So wie es sich die Ho— locaust-Uberlebende Rose Ausländer in ihrem Gedicht erhofft.
Hans Hirschmann
„Weiß ich viel, vielleicht zu viel für ein Leben“ Wie Staszek Hantz Auschwitz„durchlebte“
Es hat einige Zeit gebraucht, bis sich der Pole Stanislaw(Stas?ek) Hant? an die deutschen Worte„Herzlich will- kommen“ und„Freundschaft“ ge— wöhnt hatte und sie als ehrliche Aussa- gen akzeptieren konnte. Vor mehr als Sechs Jahrzehnten- im Alter zwischen 17 und 22 Jahren- war er in deutscher Sprache nur mit„Du Schwein“,„Blö- der Hund“ und ähnlichen Beschimp- fungen„angesprochen“ worden, wie er in vielen Gesprächen und Vortrãgen Seinen Zuhörern erzählte.
Uber einen seiner Vortrãge vor Stu- denten in Gießen schrieb ich im Herbst 2005 folgenden Zeitungsbericht(Aus- züge): Fast fünf Jahre lebte Stanislaw Hantz„ohne Schuld und ohne Ge— richtsurteil“ als KZHäftling in ständi- ger Todesgefahr. Von den 1665 Gefan- genen seines Iransportes ist er„einer von Zwölfen“, die das Kriegsende er- lebten. Bei einer Razzia in Warschau verhaftet, kam er am 15. August 1940 in
Auschwit? an.„Arbeit macht frei“ Stand dort über dem Fingangstor. Aber Schon beim ersten Appell erfuhren die Deportierten von SS-Lagerführer Fritsch, dass die Häftlinge lediglich das Recht hätten, das Lager„als Rauch durch Schornsteine von Krematorium“ zu verlassen.
Zuvor Sollte jedoch nach dem Prin- zip„Vernichtung durch Arbeit“ ihre Arbeitskraft ausgebeutet werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung polnischer Hãftlinge lag bei drei Mona- ten, die von Juden und„Zigeunern“ bei zwei Wochen, verdeutlichte Hantz die Todesmaschinerie. Er„durchlebte“- s0 seine Formulierung- die Zeit nur mit viel Glück und noch mehr Zufällen. Um zu überleben, waren zudem der feste Wille nötig, durchhalten zu kön- nen, Ssowie die Freundschaft unter den Häftlingen, die bei dem stãndigen Hun- ger und der Willkür der Bewacher alles andere als selbstverständlich gewesen


