6 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Felix Kolmer beim Vortrag in Butzbach
bekamen nur 1.000 Kalorien und Auschwit?-Häftlinge nur 300“, erläu— terte Felix Kolmer weiter.„Die durchschnittliche Uberlebensdauer in Auschwit?z betrug sechs Wochen.“
Für Juden galten die Nürnberger Gesetze. Kolmer wurde verhaftet und kam am 24. November 1941 mit dem ersten Transport ins KZ Theresien- Stadt.„Es gab 120.000 jüdische Tsche- chen, davon konnten nur 30.000 flie— hen. Von 90.000 Verhafteten über— lebten nur 8.000“, bilanzierte er als ei ner von ihnen.
Von Theresienstadt über Auschwitz in das„milde“ Friedland
In Theresienstadt floh Felix Kolmer zweimal, weil er als Mitglied der Wider- standsbewegung einen unterirdischen Gang nach außerhalb des Lagers aus-
findig gemacht hatte. Er kehrte jedoch immer wieder umgehend zurück, weil er kein Versteck fand und weil er fest- Stellen musste, dass es sehr viele Wehr- machtssoldaten und SSLeute in der Gegend gab. Außerdem wollte er den Fluchtweg geheim halten, damit er im Ernstfall auch für eine größere Zahl von Hãftlingen genutzt werden konnte. Hierzu kam es jedoch nie.
1944 wird Kolmer nach Auschwitz deportiert. Von 1.500 Menschen seines Transports werden 1.250 unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern mit Zyklon B erstickt. Felix Kolmer hat erneut Glück und überlebt die Se- lektion. In den Arbeitskommandos muss er fast täglich miterleben, wie schwache Häftlinge von SSMännern oder von Kapos ermordet werden: „Sie mussten sich hinknien und be-— kamen mit einer Eisenstange oder einem Knüppel das Genick gebrochen oder den Schädel eingeschlagen.“ In Auschwitz war es oft auch in der Nacht „hell von den Feuern in den Kremato- rien und den Scheiterhaufen“, auf de- nen die Leichen aus den Gaskammern verbrannt wurden.
Als Felix Kolmer mit dem Zug zu den Schwefelmühlen transportiert werden soll, wagt er zum dritten Mal die Flucht. Er weiß, dass von den dort- hin hingeschickten Hãftlingen noch nie einer zurückkehrte. In der Nacht ge- lingt es ihm, aus dem Waggon zu ent- kommen und an dem Nebengleis auf einen anderen zu springen. So kommt er ins schlesische KZ Friedland.„Da war es viel milder als in Auschwitz“, zicht er den Vergleich. Es gab nur noch selten Selektionen. Allerdings war auch hier der Hunger groß. Der Kom-


