Heft 
(2006) 1/2006. August 2006
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6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

und sagte in gebrochenem Polnisch: Ich danke dir, Mutti. Pieser herzliche Ausdruck der Dankbarkeit und das kleine Porträtbild des Jungen hat mir die Kraft gegeben, mit verstärktem En- gagement den ausgehungerten Hãäftlin-

gen zu helfen. Das winzige Porträt des Jungen habe ich bis heute behalten. Es zeigt diesen Jungen. Es ist mit einem Bleistift auf einem Stück Pappe ange- fertigt.(..) Ich überreiche es dem Staat- lichen Museum in Auschwitz.

Brinnerungen von Jenny Spritzer, einer Jũdin aus Holland

Häftlingsfrau Nr 10291

Auszug aus dem BuchMenschen guten Willens

Wir sind immer in Fünferreihen marschiert, und ich war in der ersten Reihe. Es war Herbst 1942,

oder Schuhcreme und andere Kleinig- keiten. Die Schuhcreme war für uns ein besonders kostbares Gut,

eine durchdringende Kälte, keine von uns hatte einen Schal oder Handschuhe. (..) Vor uns ging ein Pole mit wunderbaren Hand- schuhen, die in mir ein Neidgefühl weckten. Ich habe ihnverführerisch angelächelt und ihm meine von der Kãlte blau gefrore- nen Hände gezeigt. Er hat Sofort seine Handschuhe ausgeZogen, überquerte die Straße(es war verboten, sich den Häftlingen zu nähern) und warf die Handschuhe auf den Boden. Ich habe sie aufgehoben und lãchelte den Mann dankbar an. Hätte jemand diesen Vor- fall gemerkt, hätte es für mich ein schlechtes Ende nehmen können. Andere Mithäftlingsfrauen hatten immer Angst um mich, weil ich viel ris- kierte. Dieser Pole hat sich spãter unse- rem Arbeitskommando genähert, und noch zwei Mal hat er heimlich Hand- schuhe hingeworfen, auch Zahnpasta

Jenny Spritzer(Lud- zie Dobrj Woli, S. 507)

weil wir uns immer sauber präsentieren sollten, aber wie wir das machten, war den SSLeuten egal. Beson- ders Kristian begutachtete uns vom Kopf bis Fuß und forderte immer glänzend geputzte Schuhe. Der Weg durch das Lager, den wir vier Mal tãglich gehen mus- sten, war nicht befestigt. Wir versanken bis zu den Knöcheln im Schlamm, und wir tauften den WegSchokola- den-Sahne-Straße.

Eben dieser Kristian hatte seinen wilden Spaß daran, uns im schnellen Tempo durch Pfützen und Schlamm zu jagen. Unsere Strümpfe waren bis zu den Knien verschmutzt, und er verlang- te von uns glänzende Schuhe. Wir ver- Steckten uns in der Toilette und putzten die Schuhe, soweit es nur möglich war.

Seiten 3- 6 als dem Polnischen über- Selzt von Elzhieta Stumm.