Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8
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Emilia Klimczyk, Sohn Mikolaj und Mann Adam(„Ludzie Dobrej Woli“, S. 418)
Bericht von Emilia Klimczyk aus der Jaszowice-Siedlung
Porträt auf Pappe
Auszug aus dem Buch„Menschen guten Willens“
Ich heiße Klimczyk Emilia. Ich wohne in der Jaszowice-Siedlung. Während der Nazi-Okkupation ar— beitete ich in der Küche der Grube Brzes?zcze. 1944 waren dort in der Sortierungsabteilung junge Juden aus Ungarn beschäftigt. Diese Jugend- lichen waren Häftlinge des KI. Auschwitz, wohnten aber in einem Nebenlager in Jawiszowice. Die mei- sten waren etwa 16 Jahre alt, manche waren vielleicht gerade 18 geworden. In dieser Mannschaft war ein Junge, der wegen seines für sein Alter unge- wöhnlich ernsten Gesichtsausdrucks und seiner Traurigkeit meine Auf— merksamkeit auf sich lenkte. Alen Jungen haben wir EFssen gegeben. Von anderen Häftlingen habe ich erfah- ren, dass dieser bestimmte Junge sei-
ne Eltern in Birkenau verloren hatte. Sie wurden direkt ins Gas geschickt. Dieses Erlebnis hat in das Antlit? des Kindes eine tiefe Traurigkeit ge- meißelt. Ich beschloss, mich diesem Kind mehr zu widmen. Den anderen Kindern habe ich weiterhin das Essen gebracht, aber für dieses Kind habe ich mich um zusätzliche Leckereien bemüht.
Dieser Junge verstand kein Pol- nisch. Etwa Ende 1944 jst es ihm gelun- gen, in die Küche zu kommen, und mit seinen Augen hat er mir zu verstehen gegeben, dass er mir etwas mitteilen mõchte. Nachdem es uns gelungen war, unbemerkt in eine Ecke zu gehen, in der uns keiner der SS-Leute sehen konnte, warf dieses Kind mit Freudentrãnen in den Augen seine Arme um meinen Hals


