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(2006) 2/2006. Dezember 2006
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 27

Zeugnisse der Selbsthe- ſ hauptung, die der um sich greifenden Resig- nation etwas entgegen- setZen wollen- seien es nun politische Zirkel der unterschiedlichsten Richtungen, seien es kulturelle Aktivitäten wie Theater und Kon- z6rt.

Hierzu gehören auch die Aktivitãten der jũdi- schen Gettoverwaltung unter Mordechai Chaim Rumkowski. Dieser ver- suchte(Uner einziger Weg ist Arbeit) das Uberleben der Gettobewolmer dadurch zu sichern, dass er deren Arbeitskraft den deutschen Besatzern zur Verfügung stell- te, um das Getto so unentbehrlich zu ma- chen. Diese Politik verstärkte einerseits jene sozialen Konflikte, die kennzeich- nend für die Zwangsgemeinschaft des Gettos waren, macht aber auf der ande- ren Seite deutlich, dass es für den EFinzel- nen- abhängig davon, auf welcher Stufe der Gettohierarchie er sich befand Handlungsspielrãume gab, die auf unter- Schiedliche Weise genutzt wurden.

Um diese Innensicht des Gettos be- schreiben zu können, musste die Auto- rin jene Quellen nutzen, die die Ge schichtsschreibung in Deutschland bis lang kaum beachtet hat. Neben den vor- wiegend in jiddischer oder polnischer Sprache verfassen Selbstzeugnissen (Tagebücher zumeist) ist es die vielfãlti- ge Forschungsliteratur zu den national- SOZialistischen Gettos im besetzten Po- len, die von polnischen und israelischen Historikern verfasst wurde und nur in wenigen Fällen ins Deutsche übersetzt worden ist.

i Kinder spielen Ordnungsdienst. Foto: Henryk Ross, Archive of Modern Conflict, London.

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So kann Andrea Löw konstatieren, dasseine systematische Untersuchung der Gettoisierung und der Gesellschaft in den Gettos..(och aussteht) G. 12). Für das Getto Lit?mannstadt sollte es in naher Zukunft gelingen, dieses For- Schungsdesiderat Zu schließen: Am Ger- manistischen Seminar der Gießener Jus- tus-Liebig Universität arbeitet ein deutsch-polnisches Wissenschaftlerteam, zu dem seit einiger Zeit auch die Autorin der hier kurz vorgestellten Studie gehört, an der Herausgabe der Gettochronik, ei ner Tageschronik, die im Auftrag des Praeses(.e. M. Ch. Rumkowski) über die gesamte Zeit des Gettos geführt wur- de. Pieses bis heute unbekannte Material dürfte für eine zu schreibende Sozial- geschichte der nationalsozialistischen Gettos ebenso wichtig sein, wie es Andrea Löws Studie für die spezifische Situation des Gettos Lit?mannstadt ist.

Andrea Löm Juden im Getto Litæ- mannstadt. Lehenshedingungen, Selhst- wahrnehmung, Vorhaltem. Göttingen, Wallstein Verlag 2006(554 Seiten, geb, 46 Huro IBN 655500504)