Heft 
(2006) 2/2006. Dezember 2006
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26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Andrea Löw wertete jiddische und polnische Quellen aus

Juden im Getto Litzmannstadt

Pine Buchbesprechung von Klaus Konrad-Leder

Doutsche Fstoriker der jüngeren Generation arheiten zum Beispiel üher die Geschichte der Endsung in Galizien oder Weibrubland aber da werden meist die Vorbrechen der Peutschen in den Vordergrumd gestellt. Jch weiß nicht oh es jlingere HistoriMker giht, die fiddisch Jermen umd liher die osteluropischtjlidische Seite arheſ- ten alò die Geschichte der Qpfer schreihen. Fier ist noch eine Grenze die umbedingt

iherschritten werden SolMte.(Satl Friednder 1906)

Es mag ungewöhnlich erscheinen, die Besprechung einer historiographi- schen Studie über ein nationalsozialis- tisches Groß-Getto im beset?ten Polen mit dem Statement eines israelischen Historikers über die Notwendigkeit eines Perspektivewechsels deutscher Historiker bei der Beschreibung der Endlösung zu beginnen.

Der Kontext hingegen, in den Fried- länders dictum gestellt werden muss, macht den Zusammenhang evident: Es war Andrea Löw, die Verfasserin der hier vorzustellenden Studie, der Saul Friedlãnder in einem Gespräch 1998 die oben zitierte Einschätzung mitteilte. Damit ist in einprägsamer Kürze und mit hinreichender Genauigkeit der For-

Gettobewohnerin mit Kind. Foto: Henryk Ross, Archive of Modern Conflict, London.

schungsansatz der Promotionsarheit von Andrea Lõw benannt, die im übri- gen- gefördert von der ZETTStiftung Ebelin und Gerd Bucerius und dem Deutschen Historischen Institut in War- schau- am Historischen Institut der Ruhr-Universität in Bochum bei Pro fessor Norbert Frei entstanden ist.

Die Studie geht von der Perspektive der jũdischen Opfer der deutschen Get- toisierungspolitik aus und untersucht de⸗ ren Auswirkungen auf die alltäglichen Lebensbedingungen der Gettobewohner ebenso wie deren sich dadurch verän- dernden psychischen Dispositionen Verãnderungen, die, durch die zuneh mende Gewissheit über den bevorste- henden Massenmord beeinflusst werden.

Lebensbedingungen, Selbstwahrneh- mung, Verhalten benennt die Autorin die von ihr zu untersuchenden Topoi. Um es vorweg zu nehmen: Andrea Löw ge⸗ lingt es eindrucksvoll, wesentliche Aspekte der Innensicht des Gettos zu re- konstruieren, eine Innensicht, die die Versuche der Gettobewohner, erlittenes Leid und dessen Auswirkungen zu be- Schreiben ebenso einschließt wie die oft- mals verzweifelt anmutenden Versuche, dem alltãglichen Irrsinn des Gettolebens einenhalbwegs erträglichen Alltag ab- zuringen.

Bemerkenswert sind vor allem jene