8 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Erinnerungen an Hermann Reineck Fine Würdigung zum 10. Todestag Von Gerhard Herr
Vor fast 10 Jahren starb am 29. De- zember 1995 mein lieber Freund Her- mann Reineck, der Initiator des Gedan- kens, in der Bundesrepublik eine Vereinigung ehemaliger Auschwitzhäft- linge und ihrer Freunde zu gründen, der bis heute aktiven„Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Ausch- witꝰer“(¶ GA). Die Gründung unserer Vereinigung wurde 1979 zusammen mit einigen mittlerweile auch nicht meh le⸗ benden„Auschwitzern“, Hermanns spã- terer Frau Anni, die er beim großen Frankfurter Auschwitz-Prozess kennen gelernt hatte, und einer Reihe deutscher Freunde bewerkstelligt. Die von ihm be- gonnene Arbeit, zu seinen ehemaligen Kameraden besonders in Polen- Kon- takt zu halten und sie sowie ihre An- gehörigen zu unterstũtzen, trãgt bis heu- te ihre Früchte. Wir bemühen uns, auf verschiedene Art und Weise, die Verbre- chen des NSRegimes nicht vergessen zu lassen und heute unter verãnderten Be- dingungen gegen Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen.
Hermann lernte ich im Herbst 1983 im Vorfeld zu einer Studienfahrt nach Auschwitz, Krakau und Warschau ken- nen, als ich ihn und Anni zu den vorbe- reitenden Ireffen nach Frankfurt fuhr. Mit etwas Aufgeregtheit und klopfen- dendem Herzen brachte ich die erste Fahrt hinter mich, denn ich wusste nicht recht, wie ich mich einem Menschen gegenüber verhalten sollte, der die Schrecken von Auschwitz überlebt hat- te. Aber Hermanns gewinnende, ver- schmitzte und charmante Wiener Art
beseitigten schnell alle Unsicherheiten. Die Reise wurde Anlass, der LGA hei- zutreten und mich bis heute für ihre Ziele zu engagieren
Viele„Ehemalige“ habe ich durch ihn Kennen gelernt- Mitreisende der 83'er Fahrt und eine noch größere Zahl in Polen. Unvergesslich sind mir der er- ste Gang durchs Stammlager, durch die Mordfabrik Birkenau unter seiner und seines Freundes Tadek S?ymanskis Führung und die vielen von ihm vermit- telten Gespräche mit dem damaligen Museumsdirektor Kazimierz Smolen. Viele seiner Freunde aus Lagerzeit und Widerstand im KZ lernte ich damals kermen, aber auch danach, wenn sie in Neutschland bei ihm und Ami oft für viele Wochen- zu Besuch waren. Beide führten ein offenes und gastfreundliches Haus: diese von ihnen praktizierte Gast- freundschaft durfte ich in vielfältiger Weise dann auch selbst bei polnischen Freunden erleben.
Seine mir oft erzählte, und immer wieder mit neuen Petails versehene po- litisch- kämpferische Biografie faszinie- ren mich bis heute. Unermüdlich war sein Bemühen, Vergessen zu verhindern, aber Vergebung zu erlauben: dies erfuhr ich auch durch viele seiner und dann spã- ter auch meiner Freunde in Polen und Neutschland in vielfältiger Weise. Her- manns Arbeit vor allem mit jungen Ment schen in Schulen, Gewerkschaften, Par- teien und Kirchen ging oft bis an den Rand der physischen Erschöpfung. Fas- zinierend waren der Pindruck und die authentische Uberzeugungskraft, die er


