Heft 
(2005) 1/2005. August 2005
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8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Bereich des Lagers hinaus. Ort des ersten Versuches der Vernichtung von Menschen mit Zyklon B. DieTodes- zellen, vor allem die Zelle von Pater Maximilian Kolbe, sind heute ein Wallfahrtsort für die Besucher der Gedenkstätte.) Konservatorische Instandset?ung des Gebäudes A26 (Aufnahmegebäude, Bad und Fffek- tenkammer).

In beiden Lagern, Auschwitz I und II: Konservierung der Zaunanlagen (alle Stahltore, darunter das TorAr- beit macht frei, Wachtürme im Stammlager, Betonpfosten(jeder ein- zelne Betonpfosten wurde von Häft- lingen vorgefertigt und vomZaun- kommando mit den Fundamenten einbetoniert; jeder Pfosten ist ein Unikat).

Bemerkungen zur konservatorischen Arbeit in der Gedenkstätte

Auschwitz ist ein einziges Span- nungsfeld, voller Widersprüche. In diesem Spannungsfeld bewegt sich je⸗ der, der sich um die Pflege der Reste der ehemaligen Lager kümmern muß. Er arbeitet gegen das Naturgeset?z der Vergänglichkeit des Seins, der Ver- gänglichkeit der Dinge. Um den tota- len Verlust zu verhindern, muß er in den naturgegebenen Alterungs- und Verfallprozeß eingreifen. Um die Dinge zu erhalten, verändert er sie zwangsläufig, verbunden mit Verlust an Authentizität.

EFinige Konsequenzen daraus:

Außerste Zurückhaltung bei der Konservierung der Reste der ehema- ligen Lager.(Man kann Beton erhal-

he Aufnahme)

Die Lagerküche(Historise ten, Holz gegen Verwitterung schüt zen, aberAuschwitz dabei verlie- ren.)

Ohne Konzeption keine Frei legungsarbeiten!(Im Zweifel ist die Erde das bessere Archiv.)

⸗Absolute Schonung allerLebens- spuren! KeineVerschönerung der Dinge!(Fine Lücke ist eine Lücke und ein Riß muß ein Riß bleiben!) ⸗Notwendige Veränderungen zeigen und dokumentieren! »Konservatorische Ziele formulieren ist einfach, sie zu verwirklichen schwieriger. Anspruch und Wirklich- keit klaffen oftmals auseinander.

Die Projekte, die die Bundeslän- der bei der Pflege der baulichen Zeu- gen von Auschwitz als Aufgabe ange- nommen haben, bilden einen fast kompletten Querschnitt durch das Aufgabenfeld der Gedenkstätte:

Ort der Dokumentation zu sein; die Authentizität dieses Platzes zu be- wahren.

Ort der Aufklärung, der Erklärung zu sein; einLernort der Geschichte. Ort einer moralischen Botschaft für die Menschheit zu sein; einer Botschaft derEhrfurcht vor dem Leben.