Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 31
Serfaire Haltung jetzt vorbei“ Ein Ge- werkschafter aus dem Publikum gar fragt, auch vor dem Hintergrund einer of- fensichtlich überrumpelten Polizei:„Wo ist der Punkt, an dem wir Widerstand lei- sten sollten..7“ Eine kaum mehr rheto- rische gemeinte Frage, die weitgehend ohne Antwort bleibt.
Unverständnis auch an diesem Abend über das Vorgehen der Polizei. Immer neue Zeiten tauchen auf, wann wer etwas vom eigentlichen Ziel Fulda gewußt ha- ben will. Der Chefredakteur des Hessi schen Fernsehens, Wilhelm von Stern- burg, der die Diskussion moderiert, will von einem Kollegen bereits um 13.30 Uhr Fulda als Aufmarschort genannt bekom- men haben. Doch ob es dieser Zeitpunkt oder ob es erst 15 oder 15.45 Uhr war— für den Ministerpräsidenten ist eines klar: Die Einfahrt nach Fulda hätte ver- hindert werden können und müssen, und dies hätte auch„jede Stelle“, ob der Poli- zeiführer am Ort oder der Staatssekretär, durchsetzen können.„Es war alles noch am Samstag vermeidbar“
Auch für den Polizeigewerkschafter Koppmann ist es völlig unwerständlich, wie seine Kollegen den Neonazis einen „Reiserapport“ abnehmen konnten, um dann zuzusehen, wie die Omnibusse mit den Rechten hinter dem Polizeifahrzeug nicht geradeaus nach München fuhren, sondern in Fulda-Nord von der Autobahn abbogen.
Für den Regierungschef war es zu we- nig, daß so nur ein Aufeinanderprallen gewaltbereiter Autonome und der Neona- zis verhindert werden konnte.„Dieser Er- folg reicht nicht“, sagt Eichel. Zumal, so Koppmann, die Neonazis„ebenfalls ge- waltbereit waren“
Mit einem Mißverständnis räumt Koppmann auf: Zwar seien die Rechtsra- dikalen technisch erstaunlich gut ausge- rüstet. Telefax in den Bussen, Mobiltele- fone.„Das gibt uns zu denken.“ Aber: „Wir sind denen nicht unterlegen.“ Die hessische Polizei, lobt Koppmann aus- drücklich, sei hervorragend ausgestattet.
Auch EFichel nennt die„gute Logistik“ der Neonazis eine„reale Gefahr“. Bisher sei nicht bekannt gewesen, mit welchen Mitteln bei diesen Organisationen ope- riert werden könne.„Das sind keine ver- sprengten Gruppen mehr“, verdeutlicht der Ministerpräsident die Gefährlichkeit der rechtsradikalen Strukturen.
Koppmann sieht aufgrund der Fuldaer Vorfälle einen„Riesennachholbedarf“ vor allem in der Ausbildung der Polizeifüh- rung, da in den Akademien der Umgang
mit den Neonazis nicht auf dem Stunden- plan stehe. Fehler seien insbesondere im Leitungsapparat gemacht worden. Doch auch am Ort des Geschehens, wie Hertle anhand der von ihm gesammelten und inzwischen der Staatsanwaltschaft über- gebenen Zeugenberichte zu belegen ver- sucht.
Da seien empörte Bürger sogar den Neonazis ausgeliefert worden, die Polizei habe ihnen im Zweifel sogar„den Knüp- pel gezeigt“, um die Demonstranten („Nazis raus“) zum Schweigen zu bringen.
Fuldas Oberbürgermeister Hamberger, selbst Augenzeuge der Vorfälle auf dem Domplatz, sieht nun seine Stadt durch die Medien gezerrt. Er ist ums Image be- sorgt. Daß in seinem Amt die schriftliche, mit„deutschem Gruß“ unterzeichnete Ankündigung einer Demonstration nicht ernst genommen und mit dem Vermerk „Marschroute abstimmen“ versehen wur- de, bringt den Ministerpräsidenten in Ra- ge: Daß da„nicht sämtliche Warnlichter angehen“, könne er nicht verstehen. Hamberger aber bleibt nicht völlig ohne Zuspruch an diesem Abend: Er habe von der örtlichen, den Neonazis kräftemäßig völlig unterlegenen Polizei wohl kaum verlangen können, die Demonstration aufzulösen, macht der OB geltend. Er ha- be sich das überlegt, hätte aber Zerstö- rungen in der Stadt in Kauf nehmen müssen. Dafür, fügt der Christdemokrat Hamberger hinzu, wollte er sich später nicht verantwortlich machen lassen. „Nein, nein“ ruft ihm das Publikum zu. Es gibt zu erkennen, daß es dem Oberbür-
germeister eine solche Entscheidung nicht angelastet hätte. STEPHAN BORNECKE
anurtsr Hundschau 27 4 9. 1993
Bündnis mit der NPD Gemeinsame Sache
In der Stadt ABlar(bei Wetzlar) gibt es ein kommunalpoliti- sches Bündnis zwischen CDU, FDP, FWG und der mit 10 Pro- zent gewählten NPD, wie ein gemeinsamer Antrag vom 3. 7. 1993 im Gemeindeparlament belegt.


