Heft 
(1993) 1/1993. April 1993
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Lagergemeinschaft Auschwitz-

Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

ma nationalsozialistische Gleichschaltung' geäußert und Sich hierbei als treuer Gefolqs- mann des Systems profilert Meier-Cronemeyer, 1965).

Am Ende der fünfziger Jahre wurde die Offentlichkeit durch eine Beihe von Hakenkreuz- Schmierereien darauf gestoßen, daß der Stand politischer Bil dung bei Jugendichen beka- genswert gering war(Uber den Grad politischer Bidung bei Er- wachsenen wurde sicherheits- halber nicht nachgedacht). Die Konsequenz hieraus war das Einrichten eines eigenständigen Schulfaches für politische Bil- dung(Sozialkunde/Politikunter- richt).

Es ist keineswegs ein Wider- Spruch, sondern lediglich Konse- quent, wenn im Nachhinein fest- gestellt werden kanm In den fünfziger Jahren wurde in den Schulen in der Regel über den Nationalsozialismus nicht unter- richtet. Dies änderte sich- trotz des neuen Schulfaches- auch in den sechziger Jahren nicht, denn das Thema nationalsozialisti Sche Vergangenheit' verblieb im Bereich des Geschichtsunter- richtes. Dort ist es auch heute noch angesiedelt, obwohl es nier für allenfalls ditfuse Begrün- dungen gibt. Merdings haben mit Ausnahme von Rolf Schmie- derer- auch die Didaktiker der Politischen Bildung keinen ernst- haften Versuch gemacht, diesen Tnemenbereich für Sich zu reka- mieren. Wenngleich in den siebzi ger und achtziger Jahren We-

Sentlich mehr über den National- Sozialsmus unterrichtet wurde, Sso wissen wir bis heute wenig darüber, w a s unterrichtet wur- de und wird, bzw. mit welchen Methoden dies geschieht Hopt/ Nevermann/ Schmidt, 1985). Vermuten können wir al- lerdings, daß die Unterrichtsme- thoden überwiegend kognitiver Art sind, orientiert an den Zielen der Auffärung und der Wis- Sensvermittlung.

Vor diesem Hintergund ist ver- Ständlich, warum bislang keine Schlüssigen Konzeptionen von Gederkstättenarbeit entwickelt und diskutiert werden konnten. Gedenkstätte als Lernort und Station eines Lernwegs zum Aufarbeitung der nationalsoziali- Stischen Vergangenheit wird erst heute zum Thema, da das Versagen bisheriger pãdagogi- Scher Bemöhungen umerkenn- bar ist. ſch möchte im folgenden einige Thesen zu einer hand- ungsorientierten Konzeption von Gedenkstättenarbeit entwickeln, Sie fuBen U. a. auf den Erfahrun- gen, die ich in den letzten vier Jahren bei Arbeitsseminaren in der Gedenkstätte Auschwitz ga- macht habe Jeilnehmerinnen und ſeinehmer dieser Seminare waren Jugendliche im Ater von fUnfzehn bis zwanzig Jahren.

7 Vhose jedes Aufarbeiten von Nationalsozialismus ist Pro- dukt einer emotionalen und inter lektuellen Anstrengung zugleich. dentifitation mit der Situation der Opfer ist genauso notwen- dig, wie ein Annähern an die Ra-