Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Gedenkstättenarbeit Lernweg und Lernort politischer Bildung
von Dr. Klaus Konrad-Komsdorf
Im Rahmen der Ausstellung Auschwitz- ein Verbrechen ge- gen die Menschheit' fand in Gie- Ben eine Diskussion zum Thema Gedenkstättenarbeit Statt. Mit- arbeiter der Gedenkstätten Aus- chwitz, Buchenwald, Breitenau, Hadamar und Osthofen berichte- ten über ihre wissenschaftliche und pãdagogische Arbeit. Die geringe Anzahl der Besucherin- nen und Besucher(ca. dreißig) machte deutlich, daß Geden- kKStättenarbeit noch immer kKei- nen hohen Stellenwert in der fachöffentichen Diskussion be- Sitzt.
Bestätigt wurde dieser Ein- druck auch durch die Berichte der Gäste auf dem Podium: das Klientel der Gedenkstättenbesu- cher besteht überwiegend aus
( Schulklassen, denen eine Ge-
denkstätte in Tagesexkursionen nahegebracht werden soll. Die methodischen Formen, mit deren Hilte dies geschieht, sind in aller Regel Führung und Gespräch. S0 beschränkt diese Me tnodenein- engung in ihrer Wirkung ist, 80 problematisch erscheint bereits die Tatsache, daß eine ſeilnah- me an Solchen Veranstaltungen in der Regel nicht freiwilli ist, al- So mehr der lnitiative der Lehren- den als den Interessen der Ju- gendlichen entspringt. FHinzu
kKommt- und dies ist wohl das ei- gentliche Problem- daß es keine klar umrissene Vorstellung da- von gibt, welche Ziele Gedent kKStättenarbeit anstreben soll, bzw. verwirklichen Kann. Dies ist jedoch lediglich ein weiteres Zei- chen dafür, daß es- was das AMfarbeiten nationalsozialisti- Scher Vergangenheit anlangt- in der Bundesrepublik bislang kei- nen(fach)öffentichen Diskurs gegeben hat. ſch möchte, um dies 20 belegen, auf folgende Zusammenhänge verweisen: 1951 formulierte Theodor Wil helm(Friedrich Oetinger) seine Partnerschaftslehre, die bis weit in die Sechziger Jahre hinein Grundlage politischer Bildung bleiben Sollte und der Vorstel- lung anhing, eine Distanzierung von der nationalsozialistischen Vergangenheit, ein Neuanfang“ Sei möglich ohne eine wirkli- che Aufarbeitung dieser Vergan- genheit, ohne eine historisch genaue Analyse Und ohne rauerarbeit(Sander, 089).— Ein kurzer Blick aut die Person Wil- helm zeigt deutlich, aus welchen Gründen dieser unter dem PSeu- donym Friedrich Oetinger' publi- zierte Theodor Wihelm hatte Sich beispielsweise 1939 und 1044 in der Internationalen Zeit- schrift für Erziehung' zum The-


