Heft 
(1992) 4/1992. Dezember 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV

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Himenhain- Auschnwitz Hojenwerda Molln

Im November führte die Lagergemeinschaft Auschwitz einen Vortrags- und Diskussionsabend zu den Massenmorden einer SS Finsatzgruppe an 81 Frauen und 6 Mãnnern kurz vor Kriegsende in dem Vogelsbergõrtchen Hirzenhain durch. Schon im Ankündigungstext der Wetterauer Zeitung wurde eine Verbindung zwischen den Umtrieben von Neofaschisten und rechten Gewalttätern der Gegenwart zu den Freignissen von Hirzenhain dargestellt.

Die Frage ist, ob man die genannten Verknüpfun- gen und Verbindungen der in der Verschrift ge nannten Orte durchführen darf. Was haben Mil- lionen von Toten in Auschwitz mit 3 Toten in Mölln zu tunꝰ

Schon im Jahre 1985 wurde im Kreistag des Wet- teraukreises das Thema Auschwitz sehr ernst ge- nommen, was sich unter anderem in einer deutli- chen Bezuschußung von Klassenfahrten nach Auschwitz zeigte. Gleichzeitig war aber auch klar, daß über Begegnungen in Auschwitz oder eine abstrakte kognitive

Auseinandersetzung in Schulklassen nur ein klei- ner Teil der Schülerlnnen erfaßt werden kann. Das Freignis in der Heimatgemeinde, Tegion nach dem man im Anbetracht millionenfacher Nasziverbrechen nicht lange suchen muß galt als Einsteigerdiskussion und Aufarbeitungsthema Schüler-näher Deshalb hatte der Wetteraukreis beschlossen, auch die Mordumstände am 26.3.45 in Hirzenhain näher erforschen und dokumentie- ren zu lassen.

Das Ergebnis das später ein Buch wurde O allen Wetterauer Sekundarstufen K und I Schulen mit jeweils einem Klassensatz zum Ar- beiten übergeben werden. Daran anschließend Sollte sich dann eine Informationsfahrt zu dem wenige Kilometer entfernten und den meisten Schülerlnnen vom Namen her bekanntenTatort angeschlossen werden.

Dies lãuft mittlerweilen seit einem Jahr in mehre- ren Wetterauer Schulen und führt zu einer Fülle von Nachfragen, die immer bei zwei Stichworten ankommen: Weimarer Rebublik(Wie konnte es zum II. Reich kommend) und Auschwitz

(Wie konnte das geschehen?). Hirzenhain ist also für viele Wetterauer Schülerlnnen nicht nur in geografischer Hinsicht nahe Uber die Hilfs- brücke ortsnahes Breignis läßt sich dann Auschwitz unter ganz anderer Voraussetzung er-

schließen.

EFine solche Vorgehensweise ist sicherlich nicht nur in Schulklassen interessant, sondern auch bei Veranstaltungsreihen z. B. durch die Lagergemein- Schaft Auschwitz/Freundeskreis der Auschwitzer eN., bei denen eine pädagogische Hinführung zu dem zentralen Thema Auschwitz erfolgen soll. Wenn über die Erarbeitung der Abfolge Naziter- ror vor Ort Weimarer Republik Auschwitz die Diskussion zu den Gegenwartszuständen Hojerswerda Mölln Flächenbrand Auslän- der- u. Minderheitenfeindlichkeit weitergeführt wird, dann ergeben sich als Aha Effekt deutli- che Parallelen. Hinzu kommt dann ein anderer Frõrterungsansatz, bei dem Auschwitz nicht mehr als Keule zum Erklären der Gefährlichkeit neonazistischer gegenwärtiger Umtriebe gilt Go empfinden es oft insbesondere Schülerlnnen). Die Artikelübersicht hat also eine pädagogische Be- rechtigung und sollte auch so verstanden werden. Nachzutragen bleibt: Die Veranstaltung der La- gergemeinschaft Auschwitz /Freundeskreis der Auschwitzer eV. am 4. Il. war ein Erfolg, da sich auch mehrere'neue Gesichter über die Pro- blemstellung ꝰortsnahes Freignis einfanden und eine fruchtbare Diskussion geführt wurde. Die Joten von Auschwitz und die bei rechtsradikalen Anschlägen ums Leben Gekommenen verbindet sehr viel, dies war eines der

Ergebnisse und deshalb: Wehret den Anfängen und erst recht dem was jetzt schon in unserer Ge⸗ Sellschaft weit über das hinausgeht

Diethardt Stamm

Die Erinnerung an die Greuel von Hirzenhain

DieLagergemeinschaft Auschwitz/ Freundeskreis der Auschwitzer will in der Auseinandersetzung mit dem Rechts- radikalismus an die Nazi-Greuel erin- nern, die sich auch in Hessenvor den Haustüren abgespielt haben.

Am heutigen Mittwoch geht es um 19.30 Uhr um das Dorf Hirzenhain in der Wetterau, in dem 1945 in den letzten Kriegstagen 81 meist polnische und russi- sche Frauen und sechs Männer von der SS ermordet worden sind. Die Frauen hatten in der Gießerei der Firma Bude- rus Zwangsarbeit leisten müssen.

Fakten zu den Umständen ihres Lebens und Sterbens sind im Auftrag des Wetterauer Kreistages gesammelt wor- den und in dem Buch erschienen:Das mit den Russenweibern ist erledigt. Buch und Autoren sind Gegenstand der Veranstaltung im evangelischen Gemein- dezentrum, Myliusstraße 52. clau