Heft 
(1992) 3/1992. August 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Zum Tod von Heinz Galinski

Am 19.07.1992 verstarb der ehemalige Auschwitz-Häftling Nr. 104412 Heinz Ga- linski.

Wir, die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e.V. hatten ihn eingeladen zum Podiumsgespräch am 19.06. 1992 nach Frankfurt/M. Finziges Thema warAu-schwitz- Stop dem Ver- fall.

Heinz Galinski konnte nicht mehr kommen (Siehe seinen Brief aus Seite). Aber der Brief zeigt die Aufrichtigkeit um das Enga- gement, wenn es um Auschwitz ging. Heinz Galinski war von vielen Menschen geachtet, geliebt dank Seiner Aufrichtigkeit, aber ebenso von anderen, den Ewiggestri- gen geschmãht und verleumdet. Insbesondere von alten und neuen Nazis, S der Unmenschlichkeit, gehaßt.

Bis zur Morddrohung gingen die Anfeindungen. Heinz Galinski, der Auschwitz, Dora und Bergen Belsen überlebte, ließ sich nicht einschüchtern. Er war, wie alle Uberlebenden von Auschwitz, unbeugsam und unerschrocken.

Die in Auschwitz erlittenen Verletzungen hatten Heinz Galinski für sein ganzes ferneres Le ben geprägt.

Oft wurde er mißverstanden, rief Unmut hervor. Er konnte kantig und eckig sein, und man- cher stieß sich an seiner Art. Eines aber war er immer: aufrichtig, sagte egal auf abschbare Reaktionen- was er dachte und für richtig empfand.

Es ist ohne Zweifel oft Schwierig, einen Auschwitzer zu verstehen. Doch Hein? Galinski, der durch seine Erlebnisse von Auschwitz psychisch als auch physisch zu kämpfen hatte, ent- wickelte wenn es um Auschwitz ging unerschöpfliche Kräfte. Nie wurde er müde, auf die kleinen und grõßeren tãglichen Geschehnisse sofort zu reagieren. Wãhrend wir das Gesche- hen, das Tãgliche verfolgen und erschrecken, war Heinz Galinski sofort dabei, Stellung zu nehmen. Oft lautstark und aggressiv, wie es eben nur'der Auschwitzer konnte.

Wie stehst du zu Auschwitz- war sein Maßstab, an dem er alle und jeden gemessen hat. Oh- ne ihn ·Heinz Galinski gãbe es keine so große und gute Jüdische Gemeinde Berlin.

Trotz seiner grauenhaften, nicht nachvollziehbaren Auschwitzerlebnisse, bemühte er sich stets um Versõhnung und Ausgleich. Diese Kraft zur Versõhnung war und ist bewunderns- weft.

Heinz Galinski war unbequem aber auch unermüdlich.

Der Mord an seinen Eltern, seiner ersten Frau in Auschwitz belasteten ihn, machten ihn aber gleichzeitig stark als Mahner im Kampf gegen Haß, Menschenverachtung, gegen das Ver gessenwollen. Die Stimme des Mahners Deutschland ist fast nicht erset?bar.

Mit Scharfsinn und Beharrlichkeit hat Heinz Galinski das politische Leben in Deutschland mitgeprägt.

Wir sind erschũttert über seinen Tod und trauern aufrichtig.