Heft 
(1992) 2/1992. Mai 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Stammlager mit seinen zweistöckigen roten Backsteingebäuden, ursprünglich õsterreichische Kaserne, wirkte auf mich solide und behausend, obwohl ich wußte, in velcher drangvollen Enge die Hãftlinge in diesem Arbeitslager zusammenge- pfercht waren. Das Schreckliche von Auschwitz offenbart sich erst bei genaue- rem Hinsehen, zum Beispiel am Stehbun- ker(einem kaum 1 qm großen Raum, in den man durch eine winzige Luke hinein- kriechen mußte und in dem man kaum luft bekam), an den Galgen, an der Erschießungswand.

Wieviel trostloser dagegen die primitiv gebauten Baracken in Birkenau! WMeder Boden noch Dach boten ausreichend Schutz vor Nãsse, und diese Unterkünfte ziehen sich hin in endloser Reihel Die Größe, die gespenstische leere und der ũberall sichtbare Verfall dieses lagers sind

außerordentlich beklemmend. Birkenau Mar kRampe, Gaskammern, Krematorien, das heißtEndlõsung der judenfrage Fs wWar auch Frauenlager Kriegsgefangenen- lager Zigeunerlager Vieles könnte hier sichtbar gemacht werden, statidessen ver- rottet allmählich vieles. Und selbst im Stammlager mit seinen äãußerlich intakten Gebäuden, den museal genutzten Rãu- men und der relati hohen Besucherzahl ist der Zerfall sichtbar: das leder von Schuhen und koffern, das Metall von Bril- ſen und kBgeschir; das abgeschnittene Haar der Häftlinge, alles verrottet unter dem kinfluß von Staub und feuchtigkeit. Hier sind große Summen nötig, um wirk- lich konsewieren und dann dokumentie- ren zu können. Diese Aufgabe kann polen allein nicht bewältigen. Und es ist auch nicht die Aufgabe des polnischen Staates allein!