Heft 
(1991) 2/1991
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Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Achtung und Selbstachtung im Lager

Die Symbolische Ordnung der moralischen Identität der Fania Fenelon oder Achtung und Selbstachtung im Lager!

Oft ist von Enmmenschlichung die Rede, von Pressionen, von Gewalt, von Hunger und Kälte; wir alle kennen die Bilder aus Büchern oder in unseren Köpfen, wenn von Lagern wie Auschwitz die Rede ist. Doch, wie war es mit der Persönlichkeit? Kam es zu Selbstwertproblemen und Selbstwertkrisen? Wie steht es heute damit? Was bedeuten heute für die, die damals der Herrschaft der Nazis ausgesetzt waren, Selbst- achtung und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich als moralische Person zu verstehen? Ist Moral eine Emotion(?), und kann moralisch nur der handeln, der über Selbstachtung verfügt?

Diese Fragen oder ähnliche werden wohl aufgeworfen werden von Matthias Junge, Dipl. Soz., Zinkenwörth 35, 8600 Bamberg.

Er möchte gerne mit zwei Frauen und zwei Männern(Idealbesetzung) jeweils Interviews führen(max. 3-4 Stunden). Jeweils eine Frau und ein Mann sollten Häftlinge gewesen sein; die andere Kombination Wärterin und Wärter.

Die absolute Wahrung der Anonymität wird von Herrn Junge zugesichert. Wer sich nicht persönlich an Herrn junge wenden will, kann dies selbst- verständlich über unsere Redaktion tun und auch noch nähere Informa- tionen anfordern.

Redaktion Mitteilungsblatt: Hajo Günther, Kopenhagener Str. 64 a,

W 7800 Würzburg r

Wie die Uberschrift schon erkennen läßt, ist anhand des Romans Das Mädchenorchester in Auschwitz beispielhaft und provisorisch eine solche Arbeit aufgezeigt worden; diese hier dazustellen würde den Rahmen des Blattes sprengen, daher nur kurz die

6 Biographie

Fania Fenelon(dies ist ein Pseudonym, ihr Geburtsname ist Goldstein) war die Tochter eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns und wurde 1922 geboren. Sie besuchte die Musikhochschule in Paris und wurde im Mai 1943 als Widerst andskämpferin verhaftet. Sie gibt sich als Volljüdin aus(Sie war Halbjüdin), um den Torturen der Verhöre zu entgehen und kommt im Januar 1944 nach Auschwitz Bitkenau. Sie wird Mitglied des Frauenorchesters des Lagers. Im April 1945 wird sie im KZ Bergen- Belsen von britischen Soldaten befreit.

Danach wird sie in Paris eine bekannte Chanson-Sängerin und geht 1966 als Dozentin nach Ost-Berlin. Nach dem Tod ihres Lebensgefährten kehrt sie nach Paris zurück und schreibt zwischen 1973 und 1975 in Anlehnung an ihr Tagebuch die autobiographische Erzählung Das Mädchen- orchester in Auschwitz.

Dieses Buch wurde nach einem Drehbuch von Arthur Miller verfilmt.

Sie starb 1983.