Heft 
(1989) Nr. 15. Juni 1989
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Das Bild-Edelweiß-Piraten- hat die jungen Menschen sehr stark betroffen. Das Schicksal dieser Widerstandsgruppe, inre öffentiche Exekution und die Tatsache. dab sie bis heute trotz zahlreicher Bemü- hungen der F̃amilien und Organisationen. trotz Kampagnen in der Presse Oer Spis- gel. F̃ranklurter Kundschau) nicht rehabili- tert wurden, gaben Anlaß 2u einer beweg- ten Diskussion.

in ihrer Fassungslosigkeit entschlossen sich einige der jungen Menschen, sich per- sönlich zu engagieren und Briete an die Regierung in Köln zu schreibdn.*im Zu- sammenhang mit den Bildern war auch die Rede von anderen Ereignissen von damals.

Dann aber wollte die Jugend mehr über meine Person und vor allem ũber die Kon- zentrationslager erfahren. Man fragte mich, warum ich verhaftet wurde, wie ich vwãhrend der Untersuchung behandelt und ob ich gefoltert wurde. Dann wurde ich über die Verhãltnisse und Bedingungen in Auschwitz befragt, welche Arbeit die Hãft- linge verrichten mußten, wie die Verpfle- 9ung war und wie sich die SSMãnner gs- 9enüber den Hãftingen verhalten haten. Ale diese und viele andere, manchmal ganz persõnlichen Fragen, habe ich gs⸗ mãß meinen Erfahrungen und Erlebnissen wãhrend der fünt᷑ Jahre Hafi in Konzentra- tionslagern ausfükrlich beantworiet.

Alle anderen Treffen mit der Schuljugend hatten einen ãhnlichen Verlauf. Das lnter- esse War groß, da sie die Möglichkeit hat- ten, mit einem Zougen von damals zu spre- chen. Diese Tatsache wurde von allen Teil- nehmern des Treffens unterstrichen. Auch für mich waren diese Gespräche mit der jungen Seneration ein großes Erlebnis. lch habe nach bestem Mssen versucht, das Verlangen nach Wahrheit über die Vergangenheit zu stillen. ch hofte, dies ist mir gelungen.

Diese Ausstellung, in der vorwiegend Bil- der mit politischen Tnemen waren, hat deutlich gezeigt, wie wichtig die bidende Kunst sein kann, da sie neben estheti- schen auch politische und moralische Werie vermitielt.

lch bin glücklich, daß meine Bilder als Stif- ter des Friedens und der Versöhnung in den Presseberichten bezeichnet wurden und daß ich mit meinen Arbeuen zur Ver- stãndiqung und F̃reundschaft beigetragen habe.

lch möchte hier meinem Freund, Herrn von Bethmann, herzlich danken für sein Engagement, für seine bewegenden Wor- te in der Erõfinungsrede. ch werde Meiter- hin in meinen Bidern, meinen Artikeln und Gesprãchen mit der Jugend als ehemali- ger Hãfting Nr. 9784 des Kl. Auschwitz. Zeuge der Geschichte, das große Ziel,

nämlich die Versöhnung. und Freund-

schaft, verfolgen. Stan Zak Kaminski

Anne Erank- und-Eudnun-HLmmer

Theme:

Zwe1 unge Mädchen 1 m gletchen A1- ter(ca. 15 Jahre alt), Anne Frenk und Gudrun Hmmler(genannt Püpũ), Tochter des Retchsführers-SS Hetnrtch Hmmler, Schreiben zur gletchen 2Ze1t Tagebü- cher(1942 19445.

Die erste 1s8t vegen Jüdtscher Herkunft mt der Femt11e aus Freankfurt am Matn nach Amsterdem gef1Lohen. Hach der Besetzung Hol1Lands durch dte Deutschen 1ebte s1e 1n etnem Versteck, vo 61e bis zur Verhaftung am 4. 8. 1944 1 hr Tagebuch schrLeb. Ste wurde von der Gestapo 1ns Lager Vesterbork ver- schleppt, denn 1ns Lager Auschwi tz elngeltefert und 1m Oktober 1944 nach Bergen-Belsen gebracht. Kurz vor der Befrelung durch englLsche Truppen am 15. 4. 1945 18t s1e gestorben.

Gudrun HLmmnler überlebte das Krtegs- ende und 1Lebt unter anderem Hemen 1n der BundesrepublLk. Thr Tagebuch vurde Un den 1etzten Krtegstagen von atnem SoLdaten gefunden und vLele Jahre da- nach an das Magaztn Stern verkauft. In der Ausgabe vom 6. 1. 1963 veröffent- 11chte der Stern Auszüge aus betden Tagebüchern unter dem T1tel*Püpü und PapL a1s GegenüberstelLung zveter extrem gegensätz1Lcher Velten vhrend der Nazt-Herrschaft.

Stan Zak hat dteses Theme a1s Gemä1de dargestelLt, de er se1bst als Jugend- 11cher fünf Jahre 1n Konzentrattonsla- gern(Auschwi tz, Buchenwa1d, MLttel- bau Dora und Bergen-Belsen) als Häft- 11ng Nr. 9784 verbracht hatte.

Technt k:

Integrattontsmus. Maltuch auf Spean- Platte. 51- und Acrylfarben. Steache1- draht, Ze1tungsbertchte aus Stern, Frankurter Kundschau und B41d. In dte OberfLäche des B11des vurden e1f Fragwente aus betden Teage büchern(fünf von Anne Frank, sechs von Gudrun Ht mm- 1er) etngearbettet.

Format: 65 4 110 cm November 1988 Januar 1989

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