Heft 
(1989) Nr. 15. Juni 1989
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Mit Bildern Frieden und Versöhnung stiften

Stantslaw Kemt nSk1, KL. Auschwt tz, 1ebt

Freankfurt a. M. AusstelLungen var sehen angestchts

der Re1chspogromnacht.

abgedruckte Fröff- nungerede sowle se1n e1nen BLndruck htervon vermttteln.

DLe 1m folgenden

Ansprache zur Bröffnung der Ausstel- Zak Kami nSk, RũSSe18

Lung von Sten helm am 2. Movember 1988

Sehr geehrte Damen und Herren, 1Lebe Freunde von Sten Zak- Ke mi nskt,

Vergengene Voche erhtelt 1ch s1ne BLnLadung der Stadt Frankfurt zur Te11Lnahme an der Btnvethungsfeter für dte neu gestaltete Gedenkstätte für dte am 9. November 1938 zerstörte Synagoge an der Frtedberger Anlage 1n Frankfurt, 1n Frankfurt, me1ner He1matstadt, 1n der 1ch als Ktnd bts 1930 gelebt habe.

Heute stehe 1ch hter 1n Rüsselshetm. e1ngeladen ganz überraschend vom Freten Ku1purcafeautonomes Zentrum 11n Rüsselshetm, zu dessen Gründern und MLtgLLedern 1ch bekannt11ch ntcht zähLe, um etne Ausstellung von B11 dern e1nes aus Polen stamnendén 1üdt- schen Mttbürgers zu eröffnen, und zwer auf dessen Vunsch! Herr Ka mi nsk voLLte es so.

Varum sage 1ch das? Varum bringe 1ch dae Gedenken an dte brennende Synago- ge 1n Frankfurt 1n Verbilndung mtt dteser heuttgen Stunde der Begegnung zutschen 2Zeltgenossen sta gletchen Alters?

S1e verden dtes noch besser verstehen, venn 1ch ergänzend und vervo11ständ- gend hinzufüge, daß an denm unhet1vo1 Ien o. oder 10. Kovenber 1938 e1n kle1ner 14-ährtger Frenkfurter Junge von se1ner Mutter ntt ganz ungevohnter geradezu erbttterter zorntger Schelte empfangen urde, als er erst stne se Stunde nach der verabredeten 2a1t zuhause ankem, verspätet, ve11 er s1ch e1nfach ntcht 15sen konnte von dem noch n1e ert1ebten Anbl1ck stnes gro gen, 1n Rauch und Flemmen Stehenden Hauses, nämltch von dem Anbl1ck der vrennenden Synagoge 1n der Frtedberger Anlage 1n Frankfurt, durch dte setn Schulveg führte. Der 14)ähr1ge Freankfurter Junge, natür1tch auch e1n Ht1erunge und Hachwuchenazt, der ver 1ch.

ðberLebender des und arbettet 1n

se1ner 1etzten Rüsselshetm zu 50. Jahrestages

Bertcht so11en

Jetzt verstehen S1e erst rtchttg, vas m1ch 1n dteser Stunde bevegt und varum 1ch Stan Kamtnskt so unendltch dank- bar btn.

DLeses Zusanmentreffen 18t benegendes Schtcksal, ve11 dte ausgestreckte Hend des dana11gen Opfers eln Vunder 18t. eln manschliches Vunder und ve11 s01 che Zusanwentreffen, so1che Begegnun- gen uns a11en Mut machen und Hoffnung vermttteln können.

Stan Zak- Kami nskL var demals, a1s 1ch vor der Synagoge stand. 12 Jahre a1t.

vermut11ch noch e1n fröhl1cher, ahnungs1oser Junge darf 1ch sagen 16 1ch7 Ventger als zwe1 Jahre spö- ter, als er, Stan, 14 Jahre als var,

begann für 1hn dte Hö1L1e nmtt der Festnahme des Jungen durch dte Gestapo 1n Varschau am 9. September 1940

Kann nean s1ch etlnen größeren Kontrast zuLsSchen zwe1 Jugenden, zv1schen zw61 Jugenderfahrungen underLebntssen vorste11en?? Und doch 16t diese 61elchzetttgkett zveter Velten nLchts außergewöhn1ches 1n unserer Jüngsten

Vergangenhett. Auß ergewöhn11ch 16t etvas anderes, außergewöhn11ch 16t d1

spätere. die heuttge Begegnung, ausergew hn11ch 16t des Aufetn-

anderzugehen, 601e vr es heute und hter erLeben.

Augergshn11ch 1st die CGestnnung⸗ 16t dte Haltung des Opfere vOn gestern. dte e1n Mtetnander heute und morgen öberhaupt erst nög11ch macht. So1 che GesLnnung und so1ches Verhalten 1assen uns hoffen, dasß Verständigung. Ver- söhnung und Menschl1chkett ber Dummnhelt, Vorurtet1 und Haß unter den Menschen stLegen können. BUn so1cher S1eg 18t auch dte unverztcht bere vVoraussetzung för dte Brha1tung der höchsten Z1ele r1Lcht1g verstandener, guter PoL1Lttk, nẽml 1ch Frteden, Frelhett und Menschenwürde.