Heft 
(1989) Nr. 15. Juni 1989
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

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Diealte Hauptstadt Krakéw(Krakau)

Nach der ausführlichen Besichtigung des ehemaligen KZ Auschwitz II, Birkenau, ver- brachte man den Ostersonntag bei den Gast- familien in Krakéw(Krakau).

Ostern stellt für die Polen, die zu 85% ka- thollsch sind, das höchste Fest des Jahres dar. Aus diesem Grund steht an diesem Tag ein sehr üppiges Festmahl auf dem Pro- gramm, das in Anbetracht der deutschen- ste wohl noch etwas größer als sonst auskiel.

Nach dem Festmahl schloß sich oftmals ein Gang durch die alte Hauptstadt mit dem ehemaligen KönigssltzWawel an. Gerade die fast vollständig erhaltene und restaurierte Innenstadt lädt zum Bummeln ein; hler scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: die Altstadt Krakéws blldet somlt eine Oase aus einer längst vergangen geglaubten Zeit.

Klnder-KZ in Lödz(Lodsch)

Nach dem Abschled von den Gastfamilien am Ostermontag, der den vielen neuen Freun- den sichtlich schwer fiel, setzte man die Fahrt über Lödz nach Warszawa(Warschau) fort.

In Lòõdz beslchtigte man das ehemalige Kin- der-KZ: die Mädchen und Jungen mußten schwer arbeiten und sollten auf einem mög- lichst niedrigen Bildungsniveau gehalten wer- den, um für die Sklavenarbeit an ihren deut- schenHerren vorbereitet zu werden. Heute erinnert ein Mahnmal an die damalige Ein- richtung.

Warszawa und sein ehemaliges Chetto

Hauptstadt

In der Hauptstadt Polens verbrachte die Gruppe die letzten Tage ihrer 10-tägigen Rei- se. Da die Stadt von der deutschen Besat- zungsmacht inSchutt und Asche gelegt wurde, zeigt sich das heutige Warszawa (Warschau) hauptsächlich als optisch nicht ge- rade reizvoller Verkehrsknotenpunkt. Erst nach einigen Tagen des Verweilens entdeckt der aufmerksame Besucher die schönsten Eckchen der Stadt, etwa den noblen Stadt- tell Wilanow mit seinem prunkvollen Schloß. dle restaurlerte Altstadt und den riesigen Park mit dem Chopin-Denkmal im Südteil der Zwelmilllonenstadt.

Spuren des Warschauer Ghettos, das zeit- weise 450.000 Bewohnern Nerteilt auf 307 Hektar kaum Platz zum Leben bot. 2ind heute wenlg zu finden. Auf dem ehemaligen Ghet- togelände, welches Hunderttausenden von Menschen durch Krankheiten und Hunger den Tod brachten, stehen heute größtenteils Wohnblocks, dle nach dem Kriege in fieber- haftem Tempo gebaut wurden, um den Men- schen der ständig wacnsenden Hauptstadt Wohnraum bereitzustellen. Vor allem Mahn- male, Gedenktafeln und verschiedene Ausstel- lungen erinnern heute an die schreckliche Vergangenheit der Stadt.

Trauer. Wut und Entsetzen Höste die Be- sichtigung des ehemaligen Gestapo-Gebäudes in Warszawa aus. Im Keller des Gebäudes wurden Tausende auf bestialische Art gefol- tert und anschließend getötet.

Das Ausmal der Greueltaten in dem Ge- stapo-Hauptquartier läßt sich vielleicht mit

einer Zahl verdeutlichen: ein Protokoll der Bezirkskommission zur Untersuchung von Naziverbrechen in Warszawa gibt an, daß die Asche der Menschen, die im Keller des Ge- stapo-Gebäudes gefunden vurde, 5.578,5 kg wog.

A. Roßmann-Reineck mit Ablauf und Inhalt der Fahrt zufrieden

Am Morgen des 31. März brach die Gruppe in Warszawa auf, um in Legnica ein letztes Mal auf polnischem Gebiet zu übernachten- Nach dem Frühstück im dortigen Hotel mach- te man sich auf, um gemeinsam zurück in die BRD zu fahren.

In elnem Gespräch mit der H.-Z. zeigte sich die Organisatorin und Leiterin der Reise.

Frau Roßmann-Reineck, mit Ablauf und In- halt der Relse sehr zufrieden und prognosti- Viele Fahrtteilnehmer waren be-

zierte: stimmt nlcht zum letzten Mal in Polen.. Lars Schäfer

eimat- Zeitung

15. 01. 1989

Nicht nur die Spuren der Nazl-Greuel verfolg- le dle Reisegruppe, sondern auch die zum Teil vollständlg erhaltenen oder restaurierten Stadtkerne von Krakau und Warschau wur-

den beslchtlgt.