Heft 
(1988) Nr. 14. Dezember 1988
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

UBERLEGUMEN ZUM 9. MVEMBER

Der 9. Movember 1988 18t voruber. Vas hat uns dieser fünfzigSte Jah- restag gebracht, vie haben1r ihn genutzt? Die Veranstaltungen, Reden und Publikationen haben starke 6Ge- fühle geneckt, die zum Teil noch in uns arbeiten. Für eine unfassende Bilanz ist es noch zu früh. FS so11en daher nur einige kritische An- merkungen genacht verden, die auf ganz subijektive Eindrücke zurückge- hen. Sie können vielleicht dazu an- regen, die Thenatik des 9. Hovenber weiter zu überdenken und zu disku- tieren.

Der Pogrom vom 9. Movember 1938 ist ein historisches Ereignis. Der 9. Novenber 1988 war unter anderem elin Medienereignis. Darin 1ag eine Chance und eine Gefahr zugleich. Die Chance var, viele Menschen zu errei- chen. Sie ist zweifellos genutzt vor- den: Jeder, der überhaupt eine Zei- Sieht, hat jetzt eine Vorstellung vom 9. MOvember 1938. Aber vas sind das für Vorstellungen, die da vernit- telt vurden? Ein Freignis nedien- gerecht aufzubereiten und danit fün den Menschen unseres Informat ions- zeitalters erst real zu nachen, be- deutet 1In aller Regel auch, dieses Freignis zu verändern. Darin liegt die Problematik jedes auch dieses Medienereignisses. ES vare sicher ungerecht, o11te man da im Hinblick auf den 9. MNovenber generel! von Verfälschung, Vereinfachung, Verharm- losung oder Entschuldigung sSprechen. Aber die Balance zvischen augenfa- liger Infornation und enmotiona ler Ansprache,ie sie besonders im Fernsehen miteinander verbunden ver- den, iSt gerade bei einen solchen Thena imner heikel und sicher nicht in allen Fallen geglückt. Vor allen aber hatohl die öberfülle der hisStorisSch orientierten Sendungen und Publikationen bewirkt, das die

unnittelbare Bedeutung dieser Ver- gangenheit für unsere Gegenvart und zukunft in den Hintergrund gertet.

Der 9. Movember 1968 wurde aber auch zu einem politischen Freignis ge macht Auch dies var ein zweischnei- diger Vorgang. Es ist sicher zu be- grösen, daß sich auch die Keprasen- tanten unseres Staates offen und für alle sichtbar in eine Traditicon mit den Freignissen unserer jungsten Ceschichte gestellt haben, för die der 9. November inzwischen zum faß- daren Tatum und Freignis gevorden 2u Ssein scheint Andererseits entstand auch der Eindruck, daß mit den Ri- tvalen offizieller Feiern, mit einer Art'nationalem Gedenktag diese Ver- gangenheit zwar anerkannt, aber auch zur gleichsan erledigten und bewal- tigten Vergangenheit erklart verden Sollte. Von einer Bewältigung dieser vergangenheit kann aber natörlich Kee ede vahrscheinlich nienals in absehbarer zukunft. Vovon man nur überwältigt Sein kann, kann nicht bewältigt ver- den. Viele Peinlichkeiten im 2usam- menhang mit den 9. Movenber 1868 haben gerade auch dies sehr deutlich genacht.

Mit nationalen Feier- und Gedenkta- gen haben vir Deutschen auch in der Vergangenheit keine glückliche Hand gehabt veder nit dem Sedeanstag, mit dem eine naticnale Finheit unter mi11taristisch-chauvinistischem Vor- zeichen gepflegturde, noch mit dem 17. Juni, der die deutsche Uneinheit des kalten Krieges kultivierte. Fs väre fatal, venn ein 9. Novenber da- zu mißBbrauchtürde, viederum natico- nale Einheit(mit oder ohne DDR) auf der Basis einer Lebenslüge zu befe- stigen. Das aber muß man befürchten, solange hier etvas abgeschlossen verden so11 ein Finsteres Kapttel deutscher Geschichte, das man nach