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Lagergemeinschaft Auschwitz
„Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Faschistische Computerspiele
MONCHEN, 1. April(AP/FR). Die Ver- breitung rassistischer und neonazisti- scher Gomputerspiele nimmt weiter zu, wie jetzt die in München erscheinende Zeitschrift„Happy Computer“ berichtet. Nach Angaben der Zeitschrift floriert auf den Schuihöfen zwischen Flensburg und München der Tauschhandel mit Disket- ten, auf denen faschistische Gomputer- spiele gespeichert sind. So kursiere bun- desweit das Computerspiel Stalag I“. Der jugendliche Spieler solle dabei als Wäch- ter in einem Konzentrationslager die Flucht von„Volksfeinden“ verhindern. „Soll die SS eine Judenverfogung durch- kühren?“ werde der Spielführer in einem Computerprogramm mit dem Titel„Hit- ler Diktator“ gefragt. Und im Computer- spiel„Achtung Nazi“ werde auf Knopf- druck grafisch eine Massenverßasung wie in den„Duschräumen“ des Vernich- tungslagers Auschwitz simuliert. Der Bildschirm-Kommentar dazu laute: „10 000 Negerlein, die wollten duschen gehn. Türen zu, Gas rein. da waren's nur noch zehn.“
2.4.88
Frankfurter Rundschau
Rechter Jurist verliert Titel
pid. GTTINGEN, 24. Mai. Die Univer- sität Göttingen hat dem rechtsextremen Juristen Wilhelm Stäglich zu Recht sei- nen Doktortitel aberkannt: Der 71 jährige ist jetzt auch vor dem Bundesverwal- tungsgericht in Berlin mit seiner Klage gegen den Titelentzug gescheitert.
Der ehemalige Hamburger Finanzrich- ter hatte 1979 das Buch„Der Auschwitz- Mythos— Legende oder Wirklichkeit?“ veröffentlicht. Darin wird die Juden- vernichtung im KZ Auschwitz als Erfin- dung jüdischer Bropaganda hingestellt. Das Buch wurde 1982 von einer Stuttgar- ter Staatsschutzkammer wegen Volksver- hetzung und Aufstachelung zum Rassen- haß verboten. Die Universität Göttingen entzog Stäglich daraufhin seinen juristi- schen Doktortitel, den er 1951 in Göttin- gen erworben hatte. Zur Begründung hieß es, er habe seinem„antisemitischen Machwerk“ den Anschein von Wissen- schaftlichkeit gegeben und damit seinen Doktorgrad mißbraucht. Er sei deshalb unwürdig, den Titel weiter zu tragen.
25.5.533
Frankfurter Bundschau
KARL. POLACEK, niedersächsischer „Gau-Kassenwart“(Landesschatzmeister) der neonazistischen„Freiheitlichen Deut- schen Arbeiterpartei“(FAP) aus Macken- rode bei Göttingen, ist vom zuständigen Amtsgericht Duderstadt(Kreis Göttin- gen) zu 400 Mark Geldstrafe wegen fahr- lässiger Körperverletzung und Beleidi- gung verurteilt worden. Der 53jährige wurde vom Gericht dafür verantwortlich gemacht, daß einer seiner beiden Schä- ferhunde Anfang Januar ohne besonde- ren Anlaß einen 31 jährigen Nachbarn ge- bissen hatte. Als sich der Verletzte da- mals beschwerte, wurde er von Polacek als„Kommunistensau“ beschimpft. Wäh- rend des Prozesses drohte der Rechts- extremist nach Angaben von Ohrenzeu- gen sinngemäß an, daß das Gericht nach einer Machtübernahme der FAP zur Re- chenschaft gezogen würde.
0. 4. 88 Frankfurter Rundschau
Staatsanwalt wird wegen
„Wessel-Lied“ nicht bestraft
geg FRANKFURT A. M 6. Juli. Staats- anwält Horst Leisen aus Trier, dem vor- geworfen wurde, öffentlich das„Horst- Wessel-Lied“ gesungen zu haben, wird nicht wegen Verwendung von Kennzei- chen verfassungswidriger Organisationen angeklagt. Wie der Leitende Oberstaats anwalt in Mainz, Hans Seeliger, am Frei- tag mitteilte, wurde das Ermittlungsver- fahren jetzt eingestellt.
Zwar habe sich bei den„umfangrei- chen Ermittlungen“ bestätigt, erklärte Seeliger, daß der beschuldigte Staatsan- walt wiederholt in Lokalen das„Horst- WesselLied“ gesungen habe. Das sei je- doch jeweils im Rahmen einer geschlos- Senen Gesellschaft geschehen, ohne daß Unbeteiligte hiervon hätten Kenntnis nehmen können.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war Teisen von Justizminister Peter Ce. sar(FDP) von Trier nach Frankenthal versetzt worden. Wegen Verdachts eines Dienstvergehens läuft derzeit gegen Lei- sen noch ein Disziplinarverfahren in
P rer. Frankturter Bundschau. †35


