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„Verbrechen nicht vergessen“
FRANKFURT A. M. 20. Januar(Reu- ter). Bundeskanzler Helmut Kohl hat am Dienstag zum 45. Jahrestag der Wannsee- Konferenz dazu aufgerufen, die Nazi-Ver- brechen nie zu vergessen oder zu ver- harmlosen. Auf dieser Konferenz hatte das Nazi-Regime 1942 die Vernichtung von elf Millionen Juden beschlossen. In der Erklärung Kohls heißt es:„Wir Deut- schen dürfen die NSVerbrechen nie ver- gessen, verdrängen oder verharmlosen, weil wir nur durch die Erinnerung zur
söhnung befähigt werden.“
6 Erinnerung an jene, die im Namen
eutschlands deportiert und in Vernich- tungslagern ermordet worden seien, ver- pflichte die Deutschen dazu,„nie wieder Feindbilder von Menschen zu entwerfen“, erklärte Kohl. Alles, was dem Menschen seine unantastbare Würde und seine durch nichts zu relativierenden Lebens- rechte streitg mache, gewinne meist seine eigene, brutale Dynamik.
„Beerdigung dritter Klasse“
Auf fragwürdige Weise haben die eta- blierten Parteien im Bundestag verhin— dert, daß die unzureichend entschädig- ten NS-Opfer— vor allem Sinti und Roma, Zwangssterilisierte und Homose- vuelle— schnelle und unbürokratische Hilfe erhalten. In den Bundestagsaus- schüssen für Inneres beziehungsweise Ju- gend. Familie. Frauen und Gesundheit konnten sich die Politiker nicht einigen. ob eine Stiftung gegründet oder beste- Fonds auſgestockt werden sollen. ar trat der Familie nausschuß auf An- trag der SPD und der Grünen an Bun- destagspräsident Philipp Jenninger mit der Bitte heran, eine parlamentarische Anhörung von Betroffenen parallel zu den Plenardebatten in dieser Woche stattfinden zu lassen. Doch was im Fall des Antiterror-Gesetzes möplich wur. lehnte der Präsident bei der Wiedergut- machung ab— zur Zufriedenheit der Regierungsparteien und gegen weniꝑ Widertand der SPD. Der scheidende Lrüne Abgeordnete Christian Ströhele. der his zulet?t für eine großzügige Lö— sung focht:„Das war eine Beerdigung dritter Klasse.
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In einer Gedenkstunde in Berlin warn- te auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Heinz Galinski, vor einer Verharmlosung der Verbrechen Die Lektüre der Konferenzprotokol)e „treibt einem bis heute die Scham- und Zornesröte ins Gesicht und doch wagen es heute deutsche Historiker angesichts dieser Dokumente, die Vergangenheit zu relativieren, die Einmaligkeit des Holo- caust zu leugnen“, sagte Galinski. Wenn heute namhafte Politiker immer wieder erklärten, man solle endlich aufhören mit der Vergangenheit, so mißachteten sie ih- re gesellschaftliche Verantwortung. Es müsse„aufgehört werden mit Verglei- chen von Unvergleichbarem, mit Grat- wanderungen der Historiker, die durch Vernebelung der Vergangenheit die Zu- kunft unberechenbar machen“
Juden mahnen Helmut Kohl
BONN, 4. Mär?z(AP). Vertreter des Si-— monWiesenthal-Centers in Los Angeles haben sich bei Bundeskan?ler Helmut Kohl gegen eine nationale deutsche Ge- denkstatte für alle Opfer der Gewalt aus- gesprochen. Die Delegierten unter Lei- tung von Rabbi Marvin Hier, dem Chef des Centers, äußerte gegenüber dem Kanzler ihr Bedauern, daß damit den Na- ziverbrechen am jüdischen Volk nicht ausreichend Rechnung getragen würde.


