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Lagergemeinschaft Auschwitzßteundeskteis der Auschwitzer e. V.
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schwLertg Dokumentatton und sogar dte Beschd 1derung sein kKönnen, ze1gt der PlLatz rechts vor dem La- gertor: Edn Scht 1d sprtcht von e4.- ner KLesgrube, aber auch Baracken hat es her enmal gegeben und so— gar e1n dtLettanttsch ange 1egtes Massengrab. Etn FLecken Auschwttz-
erde hatte eben vde1es auszuhalten.
Das EmbLem der Jugendbegegnungs- stätte zeigt das auf der Spttze stehende HäftLingsdreteck 1n s4— nem Krets, 1n Lhm etn junger Baum, der auch e1n Blatt sein könnte.
G„ Uber dem Gekreuztgten 1m
blau-veLßen HRrftLLngsanzug auf
dem PLakat der Auschwttzer 18t e1n Dreteck mdt dem*Pn= Pole. Professor DLetrLoeh Go1Ldschmädt, Aktton Sühnezetchen, der EdnweLhung Mater Benjamän: nEs besteht etne geheime Verab-
zLtierte bei
redung zwLschen den gevesenen Ge—
sch1Lechtern und unserem. Wär snd auf der Erde erwartet vor— den. clas vor uns var, etne schvache messtLanische Kraft m tgegeben, an ve1Lche däie Vergangenheit An- spruch hat. B1111g Ust dieser Anspruch ntcht abzufertigen.*
Peter C. Ke1L1er
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Gabriela ist eine waschechte Frank- kurterin. Ihre Eltern zählten zu den er- sten Bewohnern der Nordweststadt. 1966 ist Gabriela dort geboren. Hier ist sie mit ihren Freundinnen auf dem Spielplatz rumgesprungen. Später ging sie in die Elisabethenschule. Da hat sie 1934 ein gutes Abitur gemacht.
Jetzt ist Gabriela in dem Alter, wo die Wege von Eltern und Kindern aus- einanderlaufen. Also sucht sie eine Wohnung. Irgendwo in der Nähe der Uni, wo sie inzwischen Musik, Deutsch und Biologie studiert. Nicht sie allein sucht: Ihre Eltern wollen für
sie den Vertrag schließen und auch die Miete bezahlen. Aber sonst will Gabriela nicht länger behütet werden. Sie ist schließlich 21.
Gleich beim ersten Mal, als sie sich vorstellte, hat Gabriela geschen, welch gute Chancen sie von ihrem Auftreten her hat. In der Friedrichstraße 32 war eine kleine Mansardenwohnung frei und gewünscht war eine Frau.„Frohe Botschaft“, meldete sich der Sohn des Hausbesitzers telefonisch,„die Wahl ist auf Ihre Tochter gefallen.“ Gabrie- la war froh.„Nur eines noch'“, sagte da die Stimme des jungen Hausbesitzers, „Sind Sie Deutsche?“
Gabriela ist Deutsche, ihre Mutter und ihr Vater sind Deutsche. Es gab die Jahre, da wollte man ihnen das wegen ihres jüdischen Glaubens ab- sprechen. Damals, 1938 wanderten ihre Großeltern von Berlin für elf Jah- re in die Mandschurei aus, wo auch
In Ungnade trotz späãter Geburt
Gabrielas Mutter geboren wurde. Als die Familie nach acht weiteren Jahren in Israel im Einwandererlager 1957 in die elterliche Heimatstadt Berlin zu- rückkehrte, hatten sich die Spuren von 23 Angehörigen lange verloren: Sie waren von ihren deutschen Mit- bürgern umgebracht worden. Gabrie- las Urgroßmutter überlebte diese Nachricht nicht: Sie erhängte sich 1945 in der Wohnung ihrer Kinder, Gabrielas Großeltern, an der Tür.
„Wir sind deutsche Staatsbürger“, sagte Gabrielas Mutter, die mit ihren Eltern 1961 nach Frankfurt gekom- men war, letzte Woche am FTelefon dem Hausbesitzer.„Wir sirid Juden“
Damit war es dann nichts mehr mit der Wohnung in der Friedrichstraße 32. Der alte Hausbesitzer ließ über sei- nen Sohn ausrichten:„Juden sind kei- ne Deutsche.“ Er bestätigte später ge- genüber der FR seine Weigerung, an die junge Jüdin Gabriela zu vermie- ten. Ohne weiteren Kommentar.
So weiß die Abgelehnte nun, warum jüdischen Kindern in Deutschland „immer gesagt wird, daß sie sich nicht abkapseln sollen“ Warum man sie lehrt, stets„zu zeigen, daß Jude sein etwas anderes ist als Christ sein, daß man ihn aber trotzdem lieben kann“. Jede andere Rolle nämlich, das hat Gabriela gelernt, kann für Juden in Deutschland zur Bedrohung werden: Außenseiter sein wie sich einfach als Deutsche unter Deutschen zu fühlen.
CLAUDLA MICHELS
Uns 1st vde jedem Geschlecht,
FE 5. März 1987


