Heft 
(1987) Nr. 10
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12 Lagergemeinschaſt AuschwilzFreundeskteis der Auschwitzet e. V.

Nichts ist Schwerer und erfordert mehr Mut, als im Gegensatz 2zu seiner Zeit zu stehen, laut 2zu

Sagen NEIN*!

Tuchols Ky

Ene Fahrt nach Aus chw tz nünterläßt Spurenz im Kopf und im Herzen⸗ Vas bevegt Menschen, sine so1che Fahrt mitzumachen? Mas ist der AusLöser

dafür? Auschwttz oder Polen an sdch

7 vas vo11en s4e in Auschwitz sehen?

Was bevegt ste dort? MWas, venn s1e vLeder zu Hause sind? Ne erleben 84e danach ihre Umgebung? Hat dtese Fahrt für sde se 1ber Konsequenzen? Johanna Oberhauser erzählte ihre Gedanken:

Ich var noch nte 1n Polen. Das 18t ein vö111g fremdes Land für mich. Tch ve1ß kaum etvas über Polen, und venn man hier etvas über Polen hört, dann nur über So11darnog. Polen 13t aber sicher- 14ch mehr und deshalb var dte Fahrt von ddesem Gostchtspunkt her schon von Interesae für m ch⸗ Der Hauptgrund var aber Aus chwtz. Gespräche über de Fahrt 1 vo- r1gen Jahr haben mt oh neugtertg gemacht.

Aber nLcht ausSensattonsgter*. Ich var sehr betroffen über das, vas 1ch hörte. Auschuttz 1Lst das furchtbarste, vas 1ch aus der Geschichte kenne; etvas, zu dem Lch mir keine VorsteLLung ma- chen konnte, etvas, vofür 4ch mch als Deutsche schu1lddtg füh1e⸗

Ich vo11te nach Auschttz, vo1L1 te dort sortteren können, nach gut und böse; vo11te begretfen, varum Auschwitz so var, vie es var und vo11te dae Geschehnisse dort gerne besttmmten Menschen zuordnen.

TIch vo11te auch begretfen und verstehen, um das Gesehene an- deren vermttte1bar zu machen.

Heute, nach der Retse, ve16 1ch, daß 1ch ndchts begrtffen habe⸗ Ich suche 1mmer noch vonach? vie1L1eicht nach»LrTgendetvas*, das mir das Unverstnd1tche Ver- ständ1Lich verden 1äßt. Tch kann mT zvwar heute besser vorste1- 1en, vas das für stne eLskKaLte, berechnende Tötungs- hnd Ver- ertungsfabrik var, aber nen Grauen bet dem Gedanken an auschuttz 1st größer gevorden⸗ Sch1Lmmer. DLe persön14 chen grzäh1Lungen dort, dte B1 Lder

und Gegenstände 1n den Ausste1 lungsbLocks haben m1rT plasttLech vor Augen geführt, vas ALLtag

Un AuschvLtz var⸗

Fragen s1nd offengeb1LLeben- v4e1 1e1cht nde zu beantworten:

vV1e konnten dde Opfer danach ve1 terleben? ie haben s4e 1hr Leben Leder'in den 6rLfFfF' bekommen Kön- nen? Ve stnd vor al1em Frauen müt den grauenhaften Lagerbedingungen fertig gevorden? Vie haben s1e

nach 1965Heder anfangen können und: vo s1nd sie heute?

ve konnten und können dte Täter heute müt 1hrem Leben zu Rande kommen?

Hat Auschmitz, hat Faschismus, virkK1Ach 19 h5 aufgehört? Die Bi Lder und FotograftLen im Kopf, denke 1ch heute, daß sovohL der Täter als auch das Opfer in Jedem Menschen Steckt. Stecken muß. Deshalb ist für mch ntcht aussch1teßbar, daß S1ch ein Aus chwtz vtederholt⸗ Neuauf 1Lagen der JudenverfoLgung haben v1r doch heute vieder:

Z1 geuner verden veragt, Homo- SeXue11e vdeder registrdert, Be handerte sind Immer noch Menschen zveiter KLasse, däe man am 140 b eten versteckt, Türken s1nd sovLe 0 s0 zlem14ch an a11em schu1d 0 die Alten verden aussortäert, ab- geschoben, denn dte brngen Ja der v1rTtschaft ntchts mehr. ALLes, vas zum ProfL tmachen nächt nutzbar 18t, 1rTd veter auf die Sette gescho ben. Auschttz var das Extrem das, vas heute noch oder schon vLeder 1Läuft!

Durch das, vas 1ch 1n Auschvitz ge sehen habe, hat stLch mein Entset- zen noch verstärkt, venn 1ch an so1che»Ungereimtheiten* denke: venn Euthanasie und Schvanger- Schaftsabbruch verg1Lchen verden, venn auf der etnen Sete Retorten- babtLes geschaffen vonden und 1n

der DrLtten VeLt Tausende Ver- hungern, venn e1nerselte Gegner der Vo1LkKszEhLung verhaftet verden, aber 1n Gedern e1n Jude beschtmpft, bodroht und sch1LLe1LLeh noch dessen