Heft 
(1986) Nr. 9. Dezember 1986
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2 Lagergemeinschaft Auschwitzreundeskreis der Auschwitzer e. V.

Vorwort Zum Titelbild

Neihnachten steht vor der Tür. Das Jahr 1986 geht seinem En- d 2 d in dem nun auch Historiker mei- nen, von der Relattvierung

zur Normalisierung übergehen zu mässen. Nun bekommt diese Artikulatton der Unbelehrbar- keit, dieses Zeugnis der Un- fähigkelt zu trauern, dieses Beweisstück eines unermeß1i- chen Verlustes an humaner Ori- entierung seine akademische ethe.*(A11g. Jüd. Mochenzei- tung vom 7. 11. 86/Ralph 61or-

dano). X

Die velthistortsche Einzigar- tlgkelt der Nazi-Verbrechen, die K?Z-Massenmorde, sie er- scheinen als eine Art RefLex- handlung auf bolschevistische Vernichtungsdrohungen. Ange- sagt 1st»dte Einebnung extre- mer Höhen und Ttefen deutscher Geschichte, vo1Lzogen mLt der PLanterraupe vorgebLich ge- schichtLLcher Kontinuttäten.* (v. Schütte, Frankf. Rundschau 0

Henz Gal nskL, Vorsitzender der Jüdischen Gemetnde von BerLin, verteidigte bei ei- ner Gedenkveranstaltung zur sog. Kristalnacht am 9. No- vember 1986 in BerLin nach- drückLich Bundespräsident R. von Meizäcker gegen Angriffe, nveil er den 6rundsatz vertre- te, der Schlußstrich unter dte Naz1-Herrschaft 1n Deutsch- 1and könne nur von den Opfern gezogen verden.*(FR vom

ſo. 11.86).

Und dte Opfer- können s1e schlußmachen, können se auf- nören, s1ch zu ertnnern? Kön- nen sie Metnnachten felern, oh- ne zu ertnnern?

Rermann Reineck konnte nach der Befrelung aus dem Verntchtungs- 1ager Auschvitz nur etnmal Neih- nachten feiern- 1945, zvar mit den vorhandenen bescheidenen Mtteln, müt so elnem kleinen Bäumchen aber endLich

frei von al1 dem Druck.

Danach aber, 1946, 1947 19867 »Menn ich daran denke, dann kKommen Lmmer dtese MeLhnach-

ten 1942 in netne Erinnerung

in Auschvttz. Die 88 hatte e1-

nen Veihnachtsbaum aufgeste1Lt

vor dem Küchengebäude, und a11e HäftLinge varen angetreten, es

var Appel1, und dann hat man dieser Meihnachtsbaum war müt elek- trischen Kerzen beleuchtet- fäft- LUnge, dte ganz abgemagert varen vir sagten zu ihnen nesernanner 0 also so Lebende Skelette, die brachte man dann herbei und hat sie unter diesen Meihnachtsbaum gelegt. S1e varen so schwach, daß sie nicht mehr gehen konnten. Und dort unter dem Methnachtsbaum

es var bitterkalt, ich veiß das noch ganz genau, vir haben danals 340 Mnus gehabt, und dann nat

die 88 befohlen, eine Kette zu machen, und Häft1inge nmußten as- sereiner herbeibringen. Und die- ses Masser wurde auf die dort am Boden unter dem Meihnachtsbaum Liegenden gegossen. Der Appe11 dauerte etwa 2 1/2 Stunden. Und nach diesen 2 1/2 Stunden var das vLe ein EisbLock, 1n dem die Häft- 11nge eingefroren varen. Und außer dtesem MeLhnachten 1945, we11 das eben diese Lösung von diesem ungeheuren Druck war, habe 1ch eigent1Lch We Lhnachten nie mehr als schönen Fetertag empfun- den. Ich kann seltdem WeLhnach- ten nücht mehr fetern, vie das andere machen, das geht nicht ne (WDR 24. 12.85,»Vethnachten%

N

Wethnachten 1986 steht vor der Tür. Die Lagergemeinschaft Au- schwitz- das s1nd 16 Uberlebende MitgLder. Der Freundeskreis der Auschwttzer- das s1Lnd der- ze1tL6. MLtgLieder.

DLeses HMLttetLungsbLatt der La- gergeme inschaft AuschwLtz- Freun- deskrels der Auschwttzer vtrTd an

L.UF Menschen verschickt.

Im Jahr 1986 wurde dazu aufge- rufen, Menschen- Tote und Uber- Lebende zu vergessen. Im Jahr

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