Heft 
(1986) Nr. 8. Mai 1986
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Lagergemeinschaft Auschwitz V Freundeskreis der Auschwitzer eV.

Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte

Eln Aspekt des Nürnberger Prozesses gegen die nazlstischen Hauptkrlegsverbrecher lst bisher vlel zu wenig beachtet worden: was gewesen wäre, wenn Hterdeutschland den Krleg gewonnen hätte. Hler geht es nicht um hypothetische Behauptungen, sondern um gan? konkrete Pläne und Vorhaben, die auf Grund unbestechlicher Dokumente, Zeu- genaussagen und nicht zuletzt durch Aussagen und Mttellungen der Angeklagten selbst erkennbar wurden. Sle zelgen, was uns, was der Welt geblüht hätte, wenn Hiuer und selne Kumpane nicht von den Völkern der Antlhlüerkoalitlon in die Schranken gewie-

sen worden wären.

J. J. Heydecker und J. Leeb haben an Hand von Dokumenten, Redetexten und Ge- sprächen, die mit einigen der Hauptange- klagten(Göring und anderen) in Nürnberg geführt wurden, die Pläne und Vorhaben der führenden NS-Größen für die Zeit nach dem Sieg des Dritten Reiches im Schlußka- pitel ihres kürzlich erschienen BuchesDer Nürnberger Prozeß nach- beziehungsweise aufgezeichnet. Wir zitieren daraus:

Noch in den letzten Kriegsmonaten spielte Hitler mit dem Gedanken, die Schweiz zu überfallen und zu erobern. Die dazu erfor- derlichen militärischen Pläne trugen das CodewortOperation Tannenbaum.

SS-Führer Heinrich Himmler äußerte sich mehrfach über seine Absicht, nach Kriegs- ende Schweden aufzuteilen. Den nördlichen Teil sollten die Finnen geschenkt bekommen, als Dank für ihre Waffenbrüderschaft. Der mittlere und südliche Teil sollte mit dem größeren Deutschen Germanenreich ver- schmolzen werden.

Der Plan gegen ein anderes neutrales Land, nämlich Portugal, trug in den Unter- lagen des deutschen Generalstabs den Code- namenIsabella. Es sollte mit Zustimmung Spaniens während der gleichzeitig ablaufen- denOperation Felix die Besetzung Gi- braltars erobert werden.

Als letzte neutrale Macht, nachdem auch Spanien an der Seite Deutschlands am Krieg teilgenommen hätte, blieb dann nur noch der Vatikan übrig.

Hitler hatte vor, die Vereinigten Staaten als weltpolitischen Faktor dauerhaft auszu- schalten. Dr. Goebbels sollte als Diktator, unterstützt von Göring, die jüdische Bevöl- kerung der USA eliminieren und die

deutschstämmigen Teile allmählichauffor- sten, bis schließlich aus Nordamerika ein deutsches Land geworden wäre.

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Rosenbergs Vorstellungen gingen Q. alle Neger und Juden aus Amerika zu ver- treiben.

Wie Hitler sich die Behandlung seiner westlichen Nachbarländer vorgestellt hat, kann man daran ermessen, welches Schick- sal er Großbritannien zugedacht hatte. Ru- dolf Heß, sein Stellvertreter, erklärte nach seiner Landung in Schottland mit entwaff- nender Offenherzigkeit, daß Hitler die Ab- sicht hatte, Großbritannienvollständig zu vernichten und nach dem Krieg in einem Zustand ständiger Unterwerfung zu halten.

Im Zustand ständiger Unterwerfung sollten vor allem auch Frankreich und die Balkanländer verharren. Luxemburg und Teile der Niederlande, Belgiens und Däne- marks sollten dem Reichsgebiet einverleibt werden.

Am 19. Juni 1940 fand in Görings Haupt- quartier eine Besprechung statt. Darin hieß es:Es ist beabsichtigt, Holland selbständig zu lassen, es jedoch eng an das Reich anzu- schließen. Die Holländer sollen selbst lig wirtschaften, jedoch soll der deutsche Ein- fluß auf wirtschaftlichem Gebiet mit allen Mitteln verstärkt werden. Luxemburg soll

ins Deutsche Reich einverleibt werden, Nor-

wegen soll zu Deutschland kommen. Elsaß- Lothringen wird ins Deutsche Reich wieder eingegliedert, es soll ein selbständiger breto- nischer Staat efrichtet werden. Es schweben weiterhin noch Absichten bezüglich Belgien, der besonderen Behandlung der Flamen dort, Errichtung eines burgundischen Staa- tes.

Bei der Neugestaltung der Welt spielte Osteuropa die wichtigste passive BRolle. Nachdem Hitler seinen Entschluß geäußert hatte,die Sowijetunion zu zerschlagen, machte der Parteiideologe Rosenberg tat- sächlich bereits konkrete Pläne für die Steuerung des riesigen Reiches.

Ka Ost ver