Heft 
(1985) Nr. 7. Dezember 1985
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Lagergemeinschaft Auschwitz W Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

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Mittwoch. 16. Oktoder 1925.

Klassenfah

rten in das

ehemalige KZ Auschwit?z

Kreistagsmitglieder bereiten die Reisen vor

wErIERAURKREiIs. Kreistagamitglie- der werden noch in diesem Jahr nach Au- schwitz relsen und dort im ehemaligen Konzentratlonslager übernachten. Dies beschoh der Friedensausschuß des Kreis- tages in seiner jüngsten Sitzung mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP bei Enthaltung der CDU. Der Kreisausschuß wurde mit der Organisation der Fahrt be- auftragt.

Die Relse voll der Vorbereltung von Klaasenfahrten nach Auschwita dienen. Ein Informationsblatt oll vom Kreisaus- schuß nach der Fahrt erstellt werden, in dem die pRda gogieche Bedeutung des Be suchs des ehemaligen KZa dargestellt, eln Besuchswerlauf vorgeschlagen und Jormelle Dinge enthalten sein sollen. beschloh der A huß mit den Sti von SPD und Grünen., dlesmal bei Ent- haltung der FDP und CDU.

Mlaasenfahrten der Massen 9 bl 13 nach und DDR lautete der Tagesordnungspunkt ursprünglich., doch dle Fried huhmitgiled ka- men überein, die Massenfahrten in dle DDR veparat in der kommenden Aus- achußsitzung am Freitag. 235. Oktober, ab 15 Uhr Im Fienarsaal des Krelshauses zu behandeln. Der Ausschuß beschloll, daß Im Haushaltsplen 1966 Mittel für die Schülerrelsen nach Auschwitz bereitge- stellt werden zollen. Uber dle Höheoll während der Haushaltaberatungen ent- achieden werden.

Wie weit die Vorbereltungen für die Herausgabe einer Broschüre des Wetter-

aukreises über das SSMassaker in Hir- zenhain gediehen sind, darüber wird der Kreisausschuß dem Friedensgremlum ebenlalls in der kommenden Sitzung de richten. SPD. Grüne und FDP beschlos- sen in der jüngsten Sitzung gegen die Sümmen der Christdemokraten, daß der Kreisausschuß auf der Grundlage einer Broschüre der Vereinlgung der Verfolg- ten des Maziregimes(WN) über das Massaker z0wie unter Verwendung ande- rer Matertallen und Dokumentemög- lichst bald eine eigene Broschüre her- ausgeben soll. Die Publikation soll sich vor allem an Schüler und Jugendliche wenden, aber auch an die breite Offent- Uchkelt, besagt der Friedensausschuß-Be- schluß. Sie oll in der zehnten Klasse der allgemeinbildenden Schule(etw 2700 Schüler) eingesetzt werden. Die Auflage oll 5000 Exemplare zein.

Eine Arbeltsgruppe bestehend aus Ste- fan Kolb(Bad Nauheim). Dr. Schonbrunn Friedberg). Michael Keller(Friedberg). r. Herfried Münkler(Friedberg). dem Mitverfasser der WVN-Broschüre Frank Pötter ſhnn und Pfarrer Manfred Pazelt(Hirzenhaln) soll dle Dokumenta- ton erstellen. Der Krei huß bemüht slch darum., die Fachleute für die Mitar- belt an der Broschüre zu gewinnen. Ob dies gelang. darüber wird zie in der näch- sten Friedensausschußsltzung berichten. Dort wird es ferner darum gehen, wann und vo Veranstaltungen zum 40. Jahres- tag des Kriegsendes und der Atombom- benabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki stattfinden sollen und welche Ausstellung zu diesem Thema wann wo gezeigt wird. ieb

Will Syrien Nazi loswerden?

Klarsfeld sieht Anzeichen

PARlS. 31. Oktober. Der französische Rechtsanwalt Serge Klarsfeld glaubt daß Syrien den Nazi-Verbrecher Alois Brun- ner loswerden will. In einer Pressekonle- renz in Paris wertete Klarsfeld am Don- inerstag die Tatsache, daß die behörden in Demaskus ihre Zustimmung zu einem lnterview der Illustrierten Bunten mit Brunner gegeben Haben., als Zeichen für eine Anderung der Hahung Syriens. Bis- lang hatte Syrien teta abgestritten, daß der unter Namen Dr. Georg Fischer in Damaskus hebende 73jährige Brunner mit dem gesuchten ehemaligen 88 Hauptsturmführer Brunner idenüsch sei.

Noch im Juli des Jahres 1982 waren Versuche der Pariser Zeitung France Soir und der Londoner Zeitung Times. mit Brunner alias Fischer in der syri- schen Hauptstadt zu sprechen, fehlge schlagen. nachdem die syrischen Behör- den den Reportern mit Nachdruck zum Verzicht auf ihr Vorhaben geraten hat- en. Die ldentität Brunners war zuvor von Beste Klarsfeld in einem Telefonge- spröch mit dem lrüheren SS-Mann fest- gestellt worden. in dem sie ihm die fin-

ſür Auslieferung Brunners

Von unserem Korrespondenten Hans-Hagen Bremer 2 7 Fr

gierte Botschaft eines Freundes übermit- telte.

Der noch fehlende Beweis. daß Fischer tatsächlich Brunner ist. Wurde nun durch das Interview erbracht das Brunner nach Klarsfelds Auffassung nicht gegeben hät- te. wenn die ihn bisher schützenden Sy- rer ihre Haltung nicht geändert häßen. Der Anwalt sprach die ErWertung aus. daß Damaskus auf den im Dezember 1964 von Bonn gestellien und in diesen Tagen erneuerten Auslielerungsantrag posilv reagieren und Brunner entweder den deutschen Justizbehörden überstel- len oder in ein Land seiner Wahl abschie ben werde. Er meinte jedoch. er könne sich nicht vorstellen. daß irgendein Land Brunner Asvl gewähren wolle.

Der in Gsterreich geborene Brunner war während des Krieges Fichmanns bester Mann(Fichmann) bei der soge- nannten Endlösung der Judenfrage. Er war nach Klarsfelds Worten der Motor der Vernichtung von vielen Tausenden von Juden in Osterreich. Berlin. Grie- chenland. Frankreich und der Slowakei.

Auslieferung an lsrael?

ERUSAlLEM. 3. November(AfP) Die USA wollen angeblich in einem Monat den Maziverbrecher John Demianiouk an lsrael ausliefern. der für den Tod von 900 000 jüdischen Insassen der Vernich tungslager Treblinka und Sobidor verant wortlich gemacht wird. Die unabhängige israelische Zeitung Haaretz berichtete am Sonntag unter Bezug auf Washingio ner Quellen. daß ein Gericht in Cincinns ü(USBundesstaat Ohio) eine Fingabe Demianiouks, dessen Sadismus ihm unter den KZ-Häftingen den Beinamen lwan der Schreckliche- eingebracht ha- be. ablehnte und er für schuldig befunden wurde, seine nationalsozialisũsche Ver- gangenheit totgeschwiegen zu haben Laut Haaretz hat sich das Museum der Ghetto-Kämpfer in dem gleichnamigen Kibuz in Mordisrael bereit erklärt den Panzerglaskäfig aus dem Jerusalemer Fichmann-Prozeß für eine Aburteilung in Israel zu Verfügung zu stellen.

Mahnende Frinnerung anReichskristallnacht

BUTABACH. Zum dritten Mal findet in Butzbach eine antilaschistische Demon- stration und Kundgebung anläßlich des Jahrestages der sogenannten Reichskri- stullnacht statt.Nein zu Faschismus. Militarismus und Krieg ist das Læitthe ma der Veranstaltung. die am kommen- den Samstag. 9. November. um 11 Uhr am Rolbrunnen beginnt

Herrmann Reineck. Widerstandskämp- fer und Häfting im KZ Auschwitz. Heinz Joachim Nagel. Soldat im Zweiten Welt- krieg und seit 1958 in der Friedens bewe gung engagiert. sowie Michsel Zorn vom ArbeitskreisNie wieder Krieg verden während der Kundgebung sprechen. An- schließend wird ein Demonstrationszug zum Gedenkstein für die Synagoge. die in der Reichskristallnacht? zerstört wurde. ziehen, wo ein Kranz niedergelegt ver- den soll.

Der Aufruf zu der Demonstration vur de unter anderem von Mlred Marchad. Ehrenvorsitzender der SPD Preunges hain und Landesvorstandsmitglied der WWN. Diethard Stamm. Kreistagsabgeord. neter der Grünen. und Uwe Hartwig Landesvorstandsmitglied der GEW. un terschrieben eb

Bundestag türꝰi Wiedergqutrmachung an Sinti und Roma

Bonn(dpa). Bundestag und Bundesre kierung haben sich in elner Debatte über den Leidenswet der Sinü und Roma einmütig zur Wiedergutma- chung an diesen im IHder-Reich ver- folgten Volksgruppen und ihrer Inte- Eraton in Staat und Gesellachaft be kannt

Sprecher aller Parteien des Bonnct Parlaments, an ihrer Spitze Bundes kanzler Kohl und der sozialdemokrati sche Oppositionsſuhrer Vogel, spra chen eindeutig von Völkermord. dem rund 500 000 Angehörige dieser beiden Volksstãmme in den Jahren der Dikta tur zum Opſer geſallen sind.