Heft 
(2023) 1/2023. August 2023
Einzelbild herunterladen

2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

gefühl auslösen können) auszeichnet, die eine Seite oder einzelne Beiträge erhalten.

Die beschriebene Diversität ist al- lerdings vermutlich auch ein Grund für ein gewisses Unbehagen: Die neuen Kommunikationsrãume in Social Me- dia ermõglichen mehr Akteurtinnen, an der(Pflege der) Erinnerungskultur öf- fentlich teilzuhaben. Bildungs- und Ge- denkeinrichtungen müssen zum einen mit diesem Mehr an Ieilhabe umgehen und sind zum anderen zunehmend auf die Plattformen sowie deren Darstel- lungskonventionen angewiesen, zumal die Entwicklung und Instandhaltung eigener Apps bislang keine praktikable und massenwirksame Lösung darstel- len. Denn das Entwickeln, Implemen- tieren und Pflegen entsprechender Apps ist teuer. Instagram, Iik Tok und andere Social-Media-Formate haben außerdem einen entscheidenden Start- vorteil, da diese ja bereits breit genutzt werden und nicht erst bekanntgemacht werden müssen.

Weiterhin zentraler Referenzpunkt der Erinnerungskultur Der großen Zahl an Nutzer:innengrup- pen sowie inhaltlich wie gestalterisch scehr heterogenen Postings auf den Plattformen stehen einige aktuelle Un- tersuchungen unter Kindern und Ju gendlichen gegenüber, die immer deut- licher darauf hinweisen, dass immer weniger Schüler:innen in Deutschland konkretes Wissen über den Nationalso- zialismus und Holocaust haben. Zulet?t kommt die MEMUO Deutschland Mu- gendstudie 2023, die die Universität

Bielefeld in zwei Befragungsrunden im September und Oktober 2021 sowie September 2022 online mit rund 3500 jungen Teilnehmer:innen zwischen 16 und 25 Jahren durchgeführt hat und die von der Siftung Erinnerung, Verant- wortung und Zulunft(FVZ) gefördert wurde, Zu dem Ergebnis, dass jede:r zweite Jugendliche den Zeitraum der nationalsozialistischen Herrschaft nicht kennt.(Die Studie fragt danach, wie, was und auf welchen Wegen junge Menschen in Deutschland an den Na- tionalsoZialismus erinnern und wie sie Diskriminierung und Brinnerungskul- tur heute wahrnehmen.) Trotz großer Defizite beim Faktenwissen ist der Na- tionalsozialismus allerdings für die Ju- gendlichen weiterhin zentraler Refe- ren?punkt in der Erinnerungskultur, s0 der weitere Befund. Rund drei Viertel der 16. bis 25Jährigen stellen den Sinn der Auseinandersetzung damit nicht in- frage. Etwa 75 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist es wichtig, Faktenwissen zu lernen. Etwa die Hälfte findet den Zugang zu historischen Orten wichtig und möchte Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen. In Bezug auf die Zugänge zum Thema Nationalsozialis- mus bestãtigt sich auch in der Studie die Bedeutung des Internets als Informati- onsquelle für Jugendliche und junge Erwachsene.

Der Befund, dass es jungen Men- Schen in Deutschland vor allem an kon- kretem Wissen mangelt und diese Gruppe gleichzeitig vor allem das In- ternet als Medium nutzt, um an Wissen zu gelangen, ist sicher ein wesentlicher